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Richard Leo Johnson "The Legend of Vernon McAlister" (Cuneiform Records 2006)
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Zu Anfang des 21. Jahrhunderts schenkte ein Nachbar von Richard Leo Johnson dem Gitarristen eine National Duolian Stahlkörpergitarre, die in den frühen 1930ern gebaut worden war. Die Gitarre ist im Booklet zur CD abgebildet, Rost und abgegriffene Stellen konnten dem Klangkörper nichts anhaben; als Johnson, nachdem er den Corpus studiert und neue Saiten aufgezogen hatte, auf dem Instrument spielte, war er von den Socken, so ein Klangerlebnis hatte er nicht erwartet. Doch nicht Robert Johnson stand in den Lack des Metalls geritzt, nicht der Teufel hatte die Gitarre mit diesem magischen Klang ausgestattet. Sondern Vernon McAlister war in rostigen Drucklettern auf der Gitarre zu lesen.
Die Forschung nach dem Namen ergab The Legend of Vernon McAlister, die auf der unten angegebenen Webseite nachzulesen ist.
Glocken, Hörner, Stimmen und andere mysteriöse Qualitäten entdeckte Johnson an Vernon, wie er die Gitarre nannte. Und so kam es, dass Richard Leo Johnson extra für diesen Resonanzkörper instrumentale Songs schrieb. Schon als Kind spielte Johnson Gitarre, doch wirklich zur Musik gekommen war er erst, als er eines Tages ein Tape hörte. Auf der einen Seite war "Inner Mounting Flame" vom Mahavishnu Orchestra, auf der anderen Seite "Greenhouse" von Leo Kottke zu hören. Johnson war hingerissen - und dachte lange Zeit, beide Alben seien von ein und demselben Gitarristen eingespielt worden!
1993 veröffentlichte er sein erstes Solo-Album, diverse weitere folgten. Er tourte ausgiebig mit Gregg Bendian, der heute das Mahavishnu Project organisiert, eröffnete für King Crimson, Bela Fleck & the Flecktones und das California Guitar Trio und hat einen Track auf "156 Strings", einem Akustikgitarren-Sampler von Cuneiform Records mit diversen Gitarristen, der von Henry Kaiser in Angriff genommen worden war.
"The Legend of Vernon McAlister", so steht es im Pressetext, hat diverse Einflüsse aus Rock, Jazz, Ambient, Minimalism. Das alles fließt in einen äußerst flüssigen Akustikreigen, der am besten mit Americana bezeichnet ist. Das riecht nach Sumpf und Wäldern, nach Blues, Country und Nostalgie. Alle Sounds, die auf der CD zu hören sind, stammen von der Gitarre, das Singen und Klingen der Saiten ist unglaublich. Wer mit dem 10. Track "First Night Alone" beginnt, fühlt wohlig, wie satt die Bandscheibe vibriert. Der Ideenreichtum ist so groß wie der Klangreichtum, urige und erstaunliche, unbeschreibliche Töne fließen aus den Saiten. Das hat Mystik und ist satt und groß im Kleinen, wie der schwere, volle Klang einer Orgel im Großen. Nicht nur allein die Kompositionen, das Spiel ist die Musik, sondern auch das, was der Resonanzkörper der Gitarre daraus macht. Der rostige Stahlkörper ist mit hölzernen Gitarren nicht zu vergleichen, die angeschlagenen Töne verschmelzen und durchdringen sich im Corpus und bringen neben dem Spiel der Saiten weitere Töne aus, die teilweise wie Electronic klingen, so eigen, voll, verschnörkelt und laut sind sie.
Gitarristen sollten neugierig auf die CD sein, aber längst nicht nur Gitarristen, wer Americana, Country und Blues liebt oder ambiente Sounds mag, sollte sich den Silberling beschaffen. Kann ich nur unbedingt empfehlen.
vernonmcalister.com
richardleojohnson.com
cuneiformrecords.com
VM
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