John Lee Hooker "Live at Soledad Prison/Never Get Out Of Theses Blues Alive" (ABC Records 1972/BGO 2009)

Beat Goes On hat bereits mehrere Alben des großen Bluesgitarristen und King of Boogie veröffentlicht. Die beiden 1972 eingespielten und aufgelegten Alben "Live at Soledad Prison" und "Never Get Out Of These Blues Alive" werden nun als 2CD, digital remastert und mit Bookletstory angeboten.
Der 1917 geborene (und 2001 verstorbene) Bluesmusiker hat zahlreiche Musiker inspiriert, ganze Heerscharen von Rockgitarristen geprägt, eine schier endlose Diskographie hinterlassen, viele Preise bekommen - unter anderem wurde er 1991 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, Festivals wurden als Tribute für Hooker organisiert, auf denen die größten Blues- und Rockmusiker spielten, mit denen er auf der Bühne stand bzw. saß.
John Lee Hooker kreierte eine neue Form der Bluesgitarren-Technik auf perkussiv-rhythmischer Basis, was die Rockmusik von Funk bis Hardrock und Heavy Metal enorm gefördert und inspiriert hat. Sein "Talking Blues" büßte trotz zahlloser Platten, mit denen er ab den 50er Jahren den Markt geradezu überschwemmte, nichts an Reiz ein. Als diese beiden Platten veröffentlicht wurden, war Hooker seit über 40 Jahren als Musiker aktiv, nachdem er mit 14 Jahren das erste Mal von Zuhause ausgerissen war, und hatte bereits eine unüberschaubare, riesige Diskographie eingespielt.
"Live at Soledad Prison" bestritt Hooker (g, voc) mit seinem Sohn John Lee Hooker Jr. (in zwei Tracks als Gastsänger), Luther Tucker und Charlie Grimes als weiteren Gitarristen, Lex Silver am Bass und Ken Swank am Schlagzeug. Die Band rockt und swingt locker bis deftig hart, es gibt lange Gitarrensoli, die Rhythmusband baut diesen flexiblen, deftigen Basisrhythmus, auf dem die Gitarristen sich nach Herzenslust austoben. Die Songs sind allesamt Klassiker. "Lucille" und "Bang Bang Bang Bang" sind die wohl bekanntesten der Hits. Als letzterer Song beginnt und Hooker singt, flippt die Knastmeute aus, die Stimmung muss explosiv gewesen sein. Der heiße Sound, die sägenden Gitarrensoli, Hookers tiefe, satte Bluesstimme und der kochende Sound seiner abgefahrenen Band - die Knastwärter hatten gewiss gut zu tun, ihre Lieblinge in Schach zu halten. Schöne Performance!
"Never Get Out Of Theses Blues Alive" war das auf "at Soledad Prison" folgende Studioalbum Hookers. Wie das Gros der 7 Songs des Livealbums stammten (hier alle) Songs aus seiner Feder. Hookers Sprechgesang, seine Gitarre in Solo und Melodiearbeit, die ihn begleitende Band intonieren satten Blues und schweren Bluesrock. Die Besetzung schwankt von Song zu Song, die Intensität nie.
"Country Boy" ist ein knochentrockenes Stück, das nur wenige Schnörkel hat und in seiner intensiven Tiefe viel solistische Energien freisetzt. Rhythmus und Melodie sind perfekt ineinander verschraubt, die Band hat enorme Virtuosität in den Fingern, der Song ist lebhaft und mitreißend. Diese Bluesvitamine machen Fans!
Der Titelsong am Ende der Platte ist eine zehnminütige Bluesorgie, eine Ballade, von der Band kraftvoll am Laufen gehalten, in der improvisative Bandinterplays mit solistischen Parts die Energie hochkochen und Hooker mit Van Morrison (als Gast in nur diesem Song) himmlisch singt. Nur eine von vielen Platten des Musikers, und von welcher musikalischen Tiefe und Intensität! Es passieren nicht unbedingt aufregende, wilde oder komplexe Sachen in den Songs, aber wie die Band die Tracks spielt und vital und energisch mit Schnörkeln und Soli versieht, ist ganz große Klasse.

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bgo-records.com
VM



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