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GAVIN PORTLAND, JAKOBINARINA, PETUR BEN, Live am 20.02.08 im Beatpol Dresden
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Frische Ware von der Eisinsel
Wie unterschiedlich die Wahrnehmung doch sein kann. Schon nach dem ersten Song beschwerte sich Kolli, der kleine Sanges-Wikinger von Gavin Portland, dass er noch nie vor so wenigen Leuten gespielt habe. Ungefähr eine Stunde und zwei Bands später meinte Pétur Ben, seines Zeichens ebenfalls Band-Leader, wie erstaunt er sei, dass so viele Menschen am Start wären. Viel oder wenig - es waren rund 200 Leutchen beim "12 Tonár-Tour"-Stop in Dresden mit drei hierzulande völlig unbekannten isländischen Bands, das muss man wohl schon als Erfolg werten. Die besagten 200 Island-Fans hatten wahrscheinlich alle schon mal von Sigur Rós, Björk und Múm gehört und meinten, was von der Insel mit der Einwohnergesamtzahl einer mittleren deutschen Großstadt kommt, muss toll sein.
Kolli und seine Mannen passten allerdings erstmal gar nicht ins Islandklischee. Was soll man erwarten von einer Band, die sich in der MySpace-Rubrik "klingt wie" mit "Rocking out to alternative music while having a cup of ice-tea" beschreiben? Hardcore fällt einem dazu erst mal nicht zwangsläufig ein, aber genau das machten Gavin Portland und zwar laut, wenig überraschend, dafür mit vollem Körpereinsatz und der genretypischen Arroganz (siehe obiges Zitat).
Auch Jakobinarina klangen weder nach Sigur Rós, Björk oder Múm, sondern eher nach diversen Altersgenossen von der anderen großen Insel ein paar hundert Kilometer weiter südsüdöstlich. Oder auch nach diversen ostdeutschen Indiebands der ganz frühen 90er, falls das noch jemandem was sagt. Die sechs sehr jungen Herren aus Hafnarfjörður meterten jedenfalls fröhlich drauflos, was wiederum diverse Altersgenossen aus dem Publikum zu ausgelassenem Tanze animierte.
Pétur Ben hat zwar nur reichlich halb so viele MySpace-Freunde wie die Jungs von Jakobinarina, dafür aber den Titel "Bestes Rockalbum" der Icelandic Music Awards 2006 in der Tasche und das bei weitem spannendste Programm. Auch er klingt nicht nach Sigur Rós, Björk oder Múm, sondern changiert zwischen melodiös-artifiziellem Singer-Songwriter Folk-Rock und gediegenen Uptempo-Krachern. Zu letzteren trägt ein gewisser Sigtryggur Baldursson an den Drums in nicht unwesentlichem Maße bei und mit ihm haben wir nun endlich einen alten isländischen Bekannten vor uns: Der mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Herr trommelte seinerzeit schon bei den Sugarcubes. Pétur Ben jedenfalls ist die Entdeckung auf der Tour der Tonár-Künstler, allein wegen seiner "Billy Jean"-Version hat sich das Kommen gelohnt. Eine Frage allerdings bleibt: Wie schafft es die klassische Dreierbesetzung mit Akkustik- statt E-Gitarre eine derartige Soundfülle zu produzieren? Spätestens bei diesem Song mit dem Banjo, welches auf der Bühne definitiv nicht zu sehen war, drängte sich die Vermutung auf, dass hier geschummelt wurde. Aber das sei ihnen verziehen, schließlich ist die Anreise aus Island lang und teuer und zwei weitere eigentliche Bandmitglieder von Pétur Ben mussten wahrscheinlich deshalb zu Hause bleiben.
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Text: André Hennig
Fotos: Stefan
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