IRA "visions of a landscape" (Golden Antenna, VÖ: 23.10.2009)

Auf ihrer Webseite nennen sie ihre Musik Rock. Einfach Rock. Nicht Post Rock. Post Rock war mal der Name für das Unbeschreibliche, das Unberührbare, für den vertrackt gebrochenen Sound, für kühle Ironie, das Wetter von morgen, das kommende Klima, das Echo der Zukunft, das immer moderner, zeitloser und sandiger klingt, als das, was morgen an Sound kommen wird.
Schließlich war Post Rock ein Stil. Eine Schublade. Weil die Fans das so wollen und brauchen. Und schon wollte keiner mehr darunter abgeheftet werden, der sich so fühlte, als sei er Post Rock.
Aber das hier ist ja nicht Post Rock.
IRA spielen unterkühlten Rock. Episch ausgeschliffen, gemächlich treibend, kraftvoll und düster, aber nichts betonend, irgendwie als würden postprogressive PinkFloydPsychedeliker nach ihrer metallischen Phase den schnöden Lärm so lange ohne Komposition abschrubben, bis sie auf eine Ebene gekommen sind, auf der unwirkliche Atmosphäre herrscht, und doch ist es nicht das Ende der Welt. Sondern irgendwie ihr Spiegel, im Rausch des eigenen Klanges.
Die Songs sind lang ohne besondere instrumentale Finessen zu inszenieren. Die Band hat einiges zu singen, ihre Texte sind im Booklet abgedruckt, die lasziv verträumte, düster-melancholische Stimmung ihres unterkühlt kochenden Sounds stellt sich auch in den Lyrics auf.
Nach den 11 Minuten des Openers "empire in the bag" folgen die von "Visions of a landscape". Verhallte, leise Gitarren, druckvoller, nervös-schlichter Rhythmus auf eintonigem Bassgerüst, des Sängers verhallte Stimme, alles hell und dunkel zugleich, ein Hauch von Wishbone Ash tanzt unwillkürlich durch den Song, durch Mittsiebziger Wishbone Ash, als sie ihre beste Zeit bereits hinter sich hatten und live perfekt unterwegs waren. Es rockt!
Doch das ist nur ein Echo, gewiss ungewollt, vielleicht gar unbewusst. Eher treffen Alternative Band der Endachtziger/Neunziger Szene in den Sound, die das Grau des Industrial Metal in ihren schnöde poprockenden Songs aufgehen lassen.
IRA lieben überwiegend das lange Format, das Gros ihrer Songs braucht nachsichtige Radio DJs. Ambiente Soundschleifen wälzen sich müde voran, aus denen das phatte Songgeschehen sich schält, überdrüssig jeder Bewegung und gewaltig in Fahrt kommend.
Aus leerer Batterie lässt sich noch allerhand Säure holen. Nichts für Ungut. Die Jungs wissen, Songs zu basteln, ohne den Kopf zu heben.
Für Titel oder Beschreibungen ist die deutsche Sprache nicht geeignet, sonst könnte man den Sound Faulheitsrock oder Zukunftsrock nennen, und das ist doch bescheuert und trifft den edlen Kern dieser entspannt lässigen Kracher nicht.
Wird Rock.

iraism.com
VM



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