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Interview mit Jacob C. Holm-Lupo von White Willow im Oktober 2006
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White Willow veröffentlichen nur alle paar Jahre eine neue CD, darum vielleicht geraten sie ein wenig aus dem Rampenlicht des skandinavischen Symphonic Rock. Vor 11 Jahren, 1995, legte das damals lose, große Ensemble das exzellente Debüt "Ignit Fatuus" vor, das viel stärker als die folgenden 4 CDs diese wundersam lyrische düstere Note trägt. Keines der nachfolgenden Alben, die relativ regelmäßig aufeinander folgten, noch transportierte diese folkloristisch dunkle Note so innig und vertieft. Was treibt die Band an - und was macht sie zwischen den Alben? Jacob C. Holm-Lupo, Gründer und Komponist der Truppe beantwortete einige Fragen.
| ragazzi: |
"Sag bitte zuerst etwas über die Gründung und Entwicklung der Band vom Anfang bis heute." |
| Jacob: |
"Wir begannen 1995 als loses musikalisches Kollektiv und veröffentlichten "Ignis Fatuus". Über die Jahre verfestigten wir uns zur eigentlichen Band. Die Musik veränderte sich ein wenig vom erst sehr heiteren Folkrock, wir nahmen mehr Rockelemente auf. Aber diese melancholischen, romantischen Dinge sind auch heute noch in unserer Musik zu finden, der Fokus liegt stets auf eleganten Arrangements und der Entwicklung einer eigenen harmonischen Sprache der Band. "Signal to Noise" ist unser fünftes Album." |
| ragazzi: |
"White Willow klingt heute deutlich anders als vor 11 Jahren. Liegt das an Besetzungswechseln? Magst du die Musik des ersten Albums heute noch?" |
| Jacob: |
"Ja, ich liebe alles, was wir gemacht haben. Ich bin sehr stolz auf das erste Album. Aber für die Band hat das keine Bedeutung, es hat keinen Sinn, die gleichen Dinge wieder und wieder zu tun, darum ist White Willow als Band stets an neuen Wegen interessiert, unsere Ideen auszudrücken. Wir lieben es, mit neuen Sounds und Genres zu flirten. Wir sind stabil genug in unserer inneren Stärke und unserem Charakter, so dass wir keine Angst haben müssen, zu vergessen, wer wir sind und was wir wollen." |
| ragazzi: |
"White Willow ist Teil der skandinavischen Dark Prog Szene. Was glaubst du, wo dieser Sound herkommt? Wie siehst du eure Musik? Seid ihr in Kontakt mit anderen Bands der Szene?" |
| Jacob: |
"Ja, wir sind in Kontakt mit einer Menge skandinavischer Bands, es ist eine kleine feine Szene. Ich denke, viele der nordischen Bands haben diesen leicht grüblerischen, introvertierten Charakter. Wahrscheinlich drückt das aus, wo wir leben und wer wir sind. Ich definiere unsere Musik als modernen Symphonic Rock, mit Elementen von Pop, Gothic und Jazzrock." |
| ragazzi: |
"Ich denke, auf dem neuen Album sind die Vokalarrangements dünner und mehr Mainstream. Orientiert ihr euch auf ein breiteres Publikum?" |
| Jacob: |
"Ich verstehe deine Beurteilung nicht, dass die Vokalarrangements "dünner" sein sollen. Jetzt haben wir das harmonisch reichste und vielschichtigste Album eingespielt, aus Sicht der Gesangsperspektive. Und alle Reaktionen meinen, die Produktion sei alles andere als dünn… Aber sind wir mehr Mainstream? Absolut nicht, aber wir denken und arbeiten eklektisch genug, dass wir einige Elemente aus Mainstream Musik aufnehmen, die wir mögen. Prog ist nur ein schmaler Part der Einflüsse in der Band, und wir werden uns immer sicherer, mit und zwischen den Genres zu spielen - was Popmusik nicht ausschließt. Doch wenn uns diese eklektische Arbeitsweise etwas gibt, dann weniger Erfolg, nicht mehr, das ist also nur ein Wechsel zu unserer eigenen Befriedigung…" |
| ragazzi: |
"Warum gibt es keinen männlichen Gesang auf dem neuen Album?" |
| Jacob: |
"Ich singe, wenn der Song es verlangt. Auf diesem Album singt Trude alle Songs so gut, dass es keinen Bedarf für mich gab, zu singen. Möglicher Weise singe ich auf dem kommenden Album wieder, wie werden sehen." |
| ragazzi: |
"Du bist Komponist der Musik, spielst Gitarre. Aber du spielst keine Soli und dein Spiel ist nicht expressiv. Bist du nicht daran interessiert, ausgefallen Gitarre zu spielen?" |
| Jacob: |
"Wieder, deine Perspektive ist anders als alle Reaktionen, die wir bis jetzt bekamen. Ich spiele Lead-Gitarre auf mehreren Songs und die Gitarre wurde von Rezensenten extra herausgehoben, wegen meines eigenen und ausdrucksstarken Spiels. Ich kann nicht verstehen, was du meinst. Wenn du meinst, dass die Gitarre keine extra Show macht, hast du Recht. Ich bin kein Schredder, und ich spiele nur Soli, wenn es der Musik nützt, ich kann exzessives Solieren oder Showspielen nicht leiden. Die Gitarre sollte den Song rund machen, nicht anders herum. Mein Stil hat nichts von Pyrotechnik und ist nicht extrovertiert, ich versuche nur zu spielen, was die Musik verlangt." |
| ragazzi: |
"Was versucht ihr mit der Musik rüberzubringen?" |
| Jacob: |
"White Willows Botschaft heißt immer, dass es gut ist, für Erfahrungen offen zu sein. Offen zu sein für Fremdes und Mystisches und die Vielfalt der Erfahrungen, die die Welt bietet." |
| ragazzi: |
"Wie komponierst du die Songs? Kannst du etwas über den kreativen Prozess sagen?" |
| Jacob: |
"Normalerweise fange ich entweder mit der akustischen Gitarre oder dem Piano an und baue grundlegende Akkordfolgen und Melodien aus, dann nehme ich Demos auf, anhand derer ich die Arrangements entwickle und Details ausbaue. Wenn das Demo fertig ist, bringe ich es in der Band ein, sie hören es sich an und geben ihre Ideen dazu. Später üben wir es und entwickeln die Arrangements so, dass von Jedem etwa darin ist, was er oder sie stilistisch haben möchte." |
| ragazzi: |
"Was sind deine direkten musikalischen Einflüsse?" |
| Jacob: |
"Da gibt es viele. Meine ersten, und wichtigsten Einflüsse sind Nick Drake, Joni Mitchell, King Crimson und Genesis. Die anderen Musiker in der Band haben alle einen unterschiedlichen Background, das reicht von Metal über Rock bis Jazz." |
| ragazzi: |
"Wie war die Aufnahme?" |
| Jacob: |
"Unproblematisch. Es dauerte nur 3 Wochen, alles aufzunehmen, zu mixen und zu mastern. Das haben wir unserem Produzenten, Tommy Hansen, zu verdanken, der sehr professionell, effizient und einfühlsam mit uns gearbeitet hat." |
| ragazzi: |
"Es gibt immer eine längere Spanne zwischen euren Alben. Was macht ihr dazwischen? Gebt ihr Konzerte? Kann man euch in Europa, vielleicht auch Deutschland live sehen?" |
| Jacob: |
"Wir geben Konzerte und arbeiten an neuem Material. Aber wir haben auch Familien, andere Bands und Verpflichtungen, was uns davon abhält, die ganze Zeit über an White Willow zu arbeiten. Es dauert stets eine Weile, alles zu koordinieren. Wir werden überall in Europa auftreten, schau auf die künftigen Tourdaten. Vielleicht kommen wir dieses Mal auch nach Deutschland." |
| ragazzi: |
"Wie sehen die Zukunftspläne der Band aus?" |
| Jacob: |
"Erst einmal promoten wir "Signal to Noise". Wenn wir wieder im Sattel sitzen, werden wir an neuem Material für das folgende Album arbeiten, das insgesamt etwas anders klingen wird - wieder einmal."
Interview: VM
Fotos: byline,Luca Kleve-Ruud, fotojournalist.no
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