Von schwarzen Kutten aus hohlen Augen feindselig angestarrt


Im ragazzi-Interview: Tele (14.02.2007)

Sie waren beim Bundesvision Songcontest dabei, haben schon in Afrika auf der Bühne gestanden und sind beim Major Universal unter Vertrag. Alles sieht derzeit nach der großen Karriere bei Tele aus. ragazzi sprach mit Keyboarder Patrick Reising nicht nur über die Eindrücke bei Stefan Raab, sondern auch über ein sehr bizarren Tele-Auftritt in Zwickau.






ragazzi: "Wie war's bei Stefan Raab und seinem Bundesvision Songcontest? Macht euch der 10. Platz glücklich? Und was haltet ihr von der Siegerband Oomph?"
Patrick: "Nein, wir sind natürlich nicht glücklich mit Platz 10. Es war bei der Liste der teilnehmenden Bands klar, dass wir irgendwo im Mittelfeld landen würden, aber nichtsdestotrotz entwickelt man im Laufe des Wettbewerbs eine Art sportlichen Ergeiz und ist dann enttäuscht, wenn man nicht vorne mitmischt. Auch Jan Delay war ganz schön sauer, dass er ‚nur' Zweiter geworden ist. Oomph sind nette Braunschweiger Jungs, die sich hinter der Bühne mit Mehl bestäubt haben, um gruseliger auszusehen. Und die Musik... über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Davon abgesehen, hatte der Contest wenig mit Musik zu tun, sondern glich eher einer riesigen PR-Schlacht."
ragazzi: "Heute ist Valentinstag. Was denkst du übe diesen Tag? Kann man nicht mal einen Valentins-Tele-Song machen?"
Patrick: "Der Valentinstag ist vor allem der Tag der Blumenindustrie. Ich habe gelesen, dass die Umsätze der Blumenläden an diesem Tag drei- bis viermal höher sind als an jedem anderen Tag. Aber eigentlich bedarf es keines bestimmten Datums, um jemandem zu zeigen, dass man ihn/sie gern hat. Einen Song über den Valentinstag? Da gibt es doch schon viele, oder? Wir haben einen Song gemacht, der "Blume" heißt und wahrscheinlich auf einer unserer nächsten Veröffentlichungen zu hören sein wird."
ragazzi: "Ihr wart mir dem Goethe-Institut auf dem schwarzen Kontinent unterwegs. Funktioniert deutsche Pop-Musik wirklich in Afrika? Wie waren die Reaktionen des dortigen Publikums?"
Patrick: "Ja, unsere Musik hat erstaunlich gut funktioniert. Das mag auch damit zu tun haben, dass Musik in den afrikanischen Ländern, die wir bereist haben, einen viel höheren Stellenwert hat als in Deutschland. Auf einem Konzert gibt es viel mehr Interaktion. Am Schluss stehen dann meistens alle zusammen und tanzen und musizieren gemeinsam..."
ragazzi: "Ich finde auf dem neuen Album u. a. die Bläser-Akzente spannend. Warum arbeitet ihr nicht mit Live-Bläsern?"
Patrick: "Wir würden live gerne mit echten Bläsern arbeiten. Aber wir sind schon sechs Leute in der Band, das ist schon eine ganze Menge und verursacht auf Tour hohe Kosten. Aber spätestens, wenn die Busse und Bühnen groß genug sind, werden wir mit mindestens 15 Gastmusikern unterwegs sein. Demnächst planen wir ein großes Berlin-Konzert, wozu wir einige der Musiker, die auf der Platte mitgewirkt haben, einladen werden."
ragazzi: "Warum seid ihr nach Berlin gezogen? Was fasziniert euch an der Stadt? Wohin zieht ihr als nächstes?"
Patrick: "Das hatte vorwiegend private Gründe. Bis dann wirklich alle Bandmitglieder in Berlin waren, hat es Jahre gedauert. Zufällig kann man in Berlin auch gut Musik machen, weil es viele Menschen gibt, die das gleiche tun. Ich für meinen Teil bin - obwohl jetzt schon 5 1/2 Jahre hier - immer noch nicht richtig in Berlin angekommen. Francesco hat einmal in einem Interview gesagt, dass man Berlin nicht verstehen, sondern nur beschreiben könne... Als nächstes würde ich wahrscheinlich in eine Hütte auf irgendeine Alm ziehen und Ziegen hüten."
ragazzi: "Universal ist ein Branchenriese. Wie viele Freiheiten habt ihr da noch - oder anders gefragt: Welche Einschränkungen/Vorgaben kommen vom Label?"
Patrick: "Ganz ehrlich, wir haben keine Einschränkungen und Vorgaben. Unser Job ist es, irgendwann die fertige Platte abzugeben. Natürlich erkundigt sich die Firma zwischendurch mal mit Nachdruck, wie lange das denn noch dauert und schaut hin und wieder mal im Studio vorbei. Aber der Druck entsteht eher von innen heraus. Nicht immer fallen einem gleich die richtigen Akkorde und passende Textzeilen ein."
ragazzi: "Woher kommen die Ideen für eure (sehr cool erzählten) Geschichten?"
Patrick: "Francesco schreibt bei uns alle Texte. Schwer zu sagen, woher er die Ideen für die Geschichten nimmt. Manchmal schreibt er von einem Wort ausgehend eine Geschichte. So ist es bei "Mario" geschehen, da war der Refrain zuerst da und dann stand Francesco vor der Frage: "Was ist das denn für ein Typ, dieser Mario?" Aber ich denke, dass Schreiben bei ihm auch viel mit Assoziation zu tun hat. Er lässt sich inspirieren von allem, was uns umgibt. Das können Menschen, Landschaften, Momente, Fernsehsendungen, Bücher, Marken sein."
ragazzi: "An welchen Gig erinnert ihr euch besonders gern bzw. ungern?"
Patrick: "Besonders gern und ungern erinnere ich mich an einen Gig in Zwickau, da waren wir Special Guest auf einer Mittelalterparty. Tele und Feuerschlucker/Gaukler-Spektakel. Der Laden war bis unters Dach voll. Nur die erste Reihe hat sich für unser Konzert interessiert, aus den Reihen dahinter haben uns Gestalten in schwarzen Kutten aus hohlen Augen feindselig angestarrt. Im Nachhinein war das alles sehr witzig und bizarr, außerdem war das Konzert das erste mit unserem neuen Bassisten Jörg. Für ihn der richtige Start mit Tele."
ragazzi: "Was steht in naher oder auch ferner Zukunft auf dem Tele-Fahrplan?"
Patrick: "Wir werden weiterhin tun, was wir am liebsten tun, nämlich Stücke schreiben und aufnehmen und möglichst viele Konzerte spielen, an denen wir möglichst vielen Menschen möglichst viele Ohrwürmer verpassen."
ragazzi: "Vielen Dank für die Antworten sagt ragazzi."
Patrick: "Vielen Dank für das Interview sagt Tele."

Stefan




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