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"Wir kümmern uns nicht darum, was unsere Fans denken"
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Ein Interview mit Dark Tranquillity
16 Jahre und kein bisschen leise - Dass man nach anderthalb Dekaden immer noch gute Alben zustandebringen kann, ohne den eigenen Ideenfriedhof schänden zu müssen, beweist Dark Tranquillitys neuster Output 'Character'. Gitarrist und Layouter vom Dienst Niklas Sundin verriet etwas über das Innenleben der Band.
| ragazzi: |
"Mit dem Release von 'Character' kann die Band auf eine Diskographie von rund 7 Alben, mehreren EPs und einer Live-DVD zurückblicken. Ihr wart die Pioniere eines ganzen Genres und habt ohne Frage viele jüngere Bands beeinflusst. Wie fühlt sich das an, wenn man zurückschaut? Was waren eure Ziele, als ihr die Band gegründet habt?" |
| Niklas Sundin: |
"Wir hatten keine größeren Ziele außer zu versuchen, uns kreativ zu äußern und so gut Musik zu machen, wie wir konnten. Keiner von uns hatte je zuvor in
einer Band gespielt und wir waren alle komplette Anfänger. Es war also eine sehr bescheidene Atmosphäre, als wir begannen, zusammen zu spielen.
Um ehrlich zu sein, bin ich nicht auf Erfolg aus. Es ist schön, dass es uns immer noch gibt, wir alle noch Spaß am spielen haben. Sicher ist es schmeichelhaft zu wissen, dass wir an der Erschaffung eines Subgenres beteiligt waren und es viele Leute gibt, die sich von uns inspirieren ließen - aber zur gleichen Zeit ist das nichts, worüber du jeden Tag nachdenkst." |
| ragazzi: |
"Euer Sound hat sich über die Jahre immer ein wenig verändert, ihr habt einige Dinge ausprobiert, eine Art konstante Evolution. Wenn ihr ein Album eingespielt habt, geht ihr dann einfach hin und sagt "Nächstes Mal, lasst uns dies und das ändern" oder passiert das auf eine subtilere Art und Weise?" |
| Niklas Sundin: |
"Es kommt auf eine natürliche Weise. Wir planen nicht weit voraus oder setzen uns mit jedem Album ein bestimmtes Ziel. Wir spielen einfach mit diversen Riffs und Ideen, schauen was dabei herauskommt. Ich bin etwas überrascht, dass "Character" so intensiv geworden ist, aber es schien die richtige Entscheidung zu sein." |
| ragazzi: |
"Um auf euer neues Album zurückzukommen, wo siehst du die Unterschiede zu euren vorigen Alben?" |
| Niklas Sundin: |
"Um es mal mit "Damage Done" zu vergleichen, da ist das neue Album schneller, aggressiver, intensiver und auch technischer. Es verlangt mehr, sowohl von uns als Musikern als auch vom Hörer." |
| ragazzi: |
"Kannst du mir etwas über das Konzept von "Character" erzählen? Mich hat das Cover sehr beeindruckt, "realistisch" im dem Sinne, dass es ein bestimmtes Szenario darstellt, wohingegen die Cover der früheren Alben etwas abstrakter und symbolisch waren." |
| Niklas Sundin: |
"Danke! Meine Idee war - wie immer - von der Grundstimmung der Lyrics und Musik auszugehen und etwas zu entwerfen, dass die Vorstellung des Betrachters/Hörers anregt, indem es bestimmte Ideen und Themen zeigt. Da das ganze Album von
Verhaltensmustern und verschiedenen Weisen, auf Situationen zu reagieren handelt, dachte ich mir, den ganzen 'Character' - die Seele - als eine Art gigantische Stadt darzustellen, verflochten mit organischem Material. Das Cover repräsentiert einen großen Teil der Dualität, die in den Texten steckt - Mensch/Maschine, Seele/Körper und so weiter." |
| ragazzi: |
"Die elektronischen Elemente scheinen jetzt eine noch größere Rolle zu spielen, in Songs wie "Am I 1" sind sie manchmal sogar für eine kurze Zeit das einzige, was zu hören ist. Was bedeuten sie für dich?" |
| Niklas Sundin: |
"Wir haben schon seit einigen Jahren einen Vollzeit-Keyboarder in der Band, und dieser Aspekt ist der Band sehr wichtig. Martin macht seinen Job wirklich super. Er gibt der Musik eine neue Perspektive, und da er nicht aus dem Metalumfeld kommt wie wir, benutzt er oft Dinge, die man in unserem Genre normalerweise nicht findet." |
| ragazzi: |
"Stell dir vor, dass ihr in 10 Jahren ein Album veröffentlichen würdet, dass fast ausschließlich elektronisch ist. Kaum noch Gitarren. Ihr habt schon einmal einen ziemlich experimentellen Song gemacht, auf der "Enter Suicidal Angels"-EP. Kannst du dir vorstellen, das auf einem kompletten Album zu machen? Selbst, wenn ihr viele eurer Fans damit verschrecken würdet?" |
| Niklas Sundin: |
"Wir kümmern uns nicht darum, was unsere Fans denken. Ab der Sekunde, wo du das berücksichtigst, bist du ein Entertainer und kein Künstler mehr - das ist eigentlich kein Problem, für uns aber schon. Wenn wir Lust haben, ein Techno-Album ohne Gitarren zu machen, dann machen wir es einfach. Zumindest theoretisch, eigentlich wäre es ein wenig sinnlos, das ganze dann unter dem Dark Tranquillity-Banner zu veröffentlichen. Jedenfalls kann ich dir versichern, dass wir nicht beabsichtigen, unseren "archetypischen" Sound in nächster Zeit zu ändern, haha!" |
| ragazzi: |
"Die Playlists auf eurer Homepage zeugen davon, dass ihr nicht nur Metalfans seid, sogar Künstler wie Moby tauchen dort auf. Viele Metalfans scheinen etwas gegen elektronische Musik zu haben, verspotten sie geradezu - da scheint es einige wirklich üble Vorurteile zu geben. Warum ist das der Fall, deiner Meinung nach?" |
| Niklas Sundin: |
"Nun, die meisten Menschen sind in einem bestimmten Alter ziemlich engstirnig. Viele Metalfans sind recht jung und während sie die Leute verspotten, die Metal als Krach abtun, haben sie die selbe stereotypische Auffassung, was andere Musikstile angeht. Eigentlich nichts neues, aber natürlich ist es genau so Quatsch zu sagen, dass elektronische Musik mit ein paar Tastendrucken am PC gemacht ist. Jedenfalls habe ich kein Problem mit Leuten, die sich nur auf einen Stil beschränken, jedem das seine und so..." |
| ragazzi: |
"Eure Kollegen von In Flames gibt es auch schon seit einiger Zeit und ihr habt oft den unausweichlichen Vergleich mit ihnen über euch ergehen lassen müssen, auch wenn der In Flames-Sound seit einiger Zeit in eine etwas andere Richtung geht. Ihr neustes Album 'Soundtrack To Your Escape' ist teilweise als 'kommerziell' beschimpft worden - was denkst du darüber?" |
| Niklas Sundin: |
"Ich war schon immer ein Fan von ihnen, und sie haben meinen Respekt dafür, immer genau das zu machen, was sie wollen." |
| ragazzi: |
"Hast du jemals eine Band gehört, die 'euren' Stil spielt und dir gedacht: 'Wow, die sind so gut wie wir' oder so etwas in der Art?" |
| Niklas Sundin: |
"Nein, es funktioniert nicht so einfach. Es ist unmöglich, deine eigene Musik mit der anderer Bands zu vergleichen. Wir haben so viel Zeit in jedes einzelne Riff und jedes Detail gesteckt, dass es mir einfach nicht möglich ist, DT auf die selbe Art und Weise zu hören, wie ich andere Bands höre. Ich höre mir zu Hause nie unsere eigene Musik an, da ich immer absolut die Schnauze voll von den Songs habe, wenn sie dann endlich aufgenommen sind." |
| ragazzi: |
"Dark Tranquillity waren immer recht viel auf Tour, macht es dir immer noch so viel Freude wie vor ein paar Jahren? Denkst du, dass es dich eines Tages ankotzen könnte?" |
| Niklas Sundin: |
"Wir touren gar nicht so viel, um ehrlich zu sein. Es gab eine europäische Tour für jedes Album, und bei "Damage Done" kamen wir sogar zweimal in die USA. Touring ist notwendig, wenn du Alben verkaufen willst, aber ich mag es persönlich eigentlich nicht so sehr und würde lieber viel lieber zuhause bleiben. Die Gigs an sich sind immer spaßig, aber die anderen 23 Stunden des Tages können sehr anstrengend sein - Ganz zu schweigen davon, dass man beim Touren immer Geld verliert." |
| ragazzi: |
"Zum Schluß wünsche ich euch noch viel Erfolg mit eurem neuen Album, ein angenehmes Gefühl, zu sehen, dass ihr noch immer rocken könnt. Und danke für das Interview." |
| Niklas Sundin: |
"Danke dir auch!"
Timo |
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