'Igginbottom "'Igginbottom's Wrench" (Deram 1969/Esoteric Recordings, VÖ: 26.10.2009)

'Igginbottom's einziges Album ist zuerst aus historischer Sicht interessant. Der spätere Gitarrengott Allan Holdsworth hat hier seinen ersten Auftritt. Das 1969 veröffentlichte Album zeigt den frühen, noch nicht ausgeprägt selbstbewussten Versuch, Jazz und Rock zu vereinen. Was Rock daran, hat noch eine Spur Beat im Blut, was Jazz, ist kühl und lyrisch, zeigt sich der Rockmusik noch nicht so recht gewogen. Es gibt illustre Gitarrensoli, fabelhafte Arrangements - die Rhythmussektion macht hervorragende Arbeit, Bassist Mick Skelly spielt jazzmelodisch, stetig ohne Pause immerfort Bluesjazz variierend. Schlagzeuger Dave Freeman zeigt besonders im Beckenspiel illustre Inspiration, zumeist etwas zögerlich, aber durchaus gelungen ist sein dezenter, komplex angedachter Jazzschlagzeugstil, der rocktypischem Trommeln nicht recht vertrauen mag.
Allan Holdsworth und Steven Robinson sind beide als Gitarristen und Sänger dabei. Holdsworth' Stil ist bereits zu erkennen, seine frickligen Solopartien haben schon mal eine erste Auslebung, ohne grandioseste Kunst zu sein. Die junge Band hatte längst nicht das Selbstbewusstsein wie andere Bands ihrer Zeit, die Jazz und Rock zu verknüpfen suchten, das ist unter anderem in der Interpretation des Schlagers "California Dreamin"' zu erkennen, der hier wenigstens tolle Gitarrenpartien verpasst bekam und gänzlich entkernt und neu arrangiert wurde, aber auch in der verkopften, jazzlyrischen Spielweise, die nie laut wird oder hart rockt. Alle anderen Songs stammen aus Holdsworth' Feder, zwei in Zusammenarbeit mit Bandmates geschrieben. Neun 2 bis 5 Minuten langen Songs mit ausgedehnten, interessanten Gitarrensoli und partiell komplexen, schön jazzdurchfluteten Bandinterplays in aufwendigen Instrumentalpassagen folgt der instrumentale, 10-minütige Jazzrocker "The Donkey". Schlagzeuger Freeman eröffnet mit einminütigem Solo, sodann frickelt Holdsworth sich durch den elektrischen Beat-Jazz, von der Band verinnerlicht und zurückhaltend begleitet, später folgt ein jazzbluesiges Basssolo, dem sich Holdsworth solistisch noch einmal anschließt. In aller ansprechenden Qualität, in der die spätere Spielintensität Holdsworth' zu erkennen ist und die Band mit frischem, eigenständigen Sound zu beeindrucken weiß, breitet sich doch ein unglückliches Gefühl aus: die kaum voneinander zu unterscheidenden Songs leiden an einem latenten Gleichmaß, das die Neugierde auf den Sound gewaltig bremst und die Aufmerksamkeit im Laufe der 44:25 Minuten schließlich verrinnen läst.
Trotzdem: nicht nur historisch wertvolles Album.

esotericrecordings.com
VM





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