HUSH PUPPIES, Live am 26.09.2006 im Star Club Dresden

Ein Franzose singt "O Tannenbaum"

Offensichtlich ist diese Band hierzulande noch ein Geheimtipp. Oder stand die relativ geringe Besucherzahl im Zusammenhang mit den zeitgleich am anderen Ende der Stadt agierenden The Whitest Boy Alive? Egal, ab 22 Uhr ist keine Zeit mehr, darüber zu philosophieren. Die Hush Puppies stehen auf der Bühne, ohne dass eine Aufwärmband das Feld beackert hatte, und ziehen die Anwesenden sofort in ihren Bann. Warum gelingt den fünf Mitt- bis Endzwanziger dies? Es sind Franzosen! Das ist natürlich ein Sympathiebonus, der aber nicht für ein 75 Minuten dauerndes Rockkonzert ausreicht. Mehr als ausreichend sind jedoch die Spielfreude und Authentizität, die von der Bühne schwappen. Nachdem er Hype-Bands wie die Arctic Monkeys, Franz Ferdinand und Bloc Party gesehen hat, ahnt der geneigte Besucher, dass da vorn die Konkurrenz lauert, die (noch) ohne Medien-Hype auskommt.

Musikalisch ist es nicht die Neudefinition von Rockmusik, aber sehr gediegen gespielte Garage-Punk-Pop-Mugge mit jeder Menge Ecken und Kanten. Und zwei Tasteninstrumenten. Einem "richtigen, großen" Keyboard und einer Mini-Variante, die direkt aus den Achtzigern zu kommen scheint. Ist der Beginn noch verhalten angesichts einer anderthalbstimmig gesungenen Fast-A-Capella-Nummer - die Begleitung kommt allein vom Keyboard - so rockt schon der zweite Titel barbarisch los. Danach bleibt dieser Pegel nahezu erhalten, kann stellenweise sogar noch getoppt werden.

Der charismatische Sänger weiß mit seinem Publikum zu arbeiten, etwa wenn er ein richtig wütendes Stück lapidar mit den Worten "Girls are all the same" kommentiert oder wenn er "O Tannenbaum" anstimmt, um seine aus Schulzeiten hängen gebliebenen Deutschkenntnisse zu demonstrieren. Nachdem das Sakko den tropischen Körpertemperaturen nicht mehr standhielt, springt der Mann am Mikro ziemlich gewagt vom Rand des Schlagzeug-Podestes ab - und landet professionell, ganz so als wäre es seine leichteste Übung. Da macht das Zugucken Laune, mehr noch aber das Moshen. Das kennt die Band so nicht aus ihrer Heimat und zeigt sich begeistert: "You are our best audience!" Auch wenn am Ende keine Zugabe mehr erklingt: Dem in Erinnerung bleibenden Sympathieeindruck ist das ganz und gar nicht abträglich. Von dieser französischen Combo wird - nein muss man in Zukunft hören.

Stefan



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