Bill Horist "Lyric/Suite" (Accretions Records 2004)

Bill Horist ist Gitarrist und spielt in den 13 Tracks dieser CD Sologitarre etwa im Stil von Fred Frith, Eugene Chadbourne oder Henry Kaiser. Die Musik ist Teil einer Tanzchoreographie von Davida Monk, die von 3 Tänzern aufgeführt wurde. Auf der CD gibt es keinen Video-Track, so dass über die Tanz-Performance nichts zu sagen ist. Die Musik jedoch lebt auch ohne visuelle Unterstützung. Als würde ein Loop-versessener Robert Fripp Fingerpicking üben und den Corpus der Gitarre rhythmisch bearbeiten, die Saiten mit verschiedenen elektronischen Geräten manipulieren, und zu Sounds finden, die nicht üblich sind. So ungewöhnlich jedoch ist diese Art und Herangehensweise längst nicht mehr. Diverse avantgardistische Gitarristen haben das Feld atonaler Kunst auf der Gitarre erkundet, viele eigenen Ausdruck gefunden.
Unübertrefflicher Meister ist Fred Frith, der selbst mit ungewöhnlichsten Geräten die Saiten bearbeitet und immer noch zu anhörbaren, harmonischen Sounds findet. Bill Horist ist ihm verdammt nahe. Doch längst hat das Spiel von Horist nicht diese Lebendigkeit und Dynamik, diesen Witz und diese Neugier auf das, was da kommen mag. Er geht zu vorsichtig, zu ernsthaft, "zu künstlerisch" an die Sache heran und verschmäht das Experiment. Das soll nicht heißen, dass diese 13 Tracks statisch, starr, tot sind. Hier gibt es unglaubliche Dinge zu hören. Aber um es salopp zu sagen, das ist eher die Popvariante der Avantgarde. Die Töne "fetzen", erstaunen weniger, als dass sie klingen. Impressionistische Soundgemälde, denen die tiefste Hingabe fehlt. Die Stücke sind überraschend, von grandioser Kühle und großem Eindruck. Was fehlt, ist Seele.

accretions.com
VM



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