Heon "electro-acoustic requiem" (Unicorn Records 2003)

Heon ist das Soloprojekt des Gitarristen Martin Heon, der sich allen außergewöhnlichen Tönen widmet, die im typischen und untypischen Gebrauch der elektrischen Gitarre möglich sind. Mit Hilfe allerlei Technik und unkonventionellen Mitteln hat er in 12 Songs ein großartiges Werk geschaffen, das zwischen tonaler Lyrik und atonalem Lärm liegt. Töne flattern, quietschen, zerren sich aus dem Instrument, wie Martin die Saiten und den Körper der Gitarre gerade malträtiert. Seit 18 Jahren Gitarrist, ist er ein hervorragender Instrumentalist, der im Laufe der Jahre ganz besondere, eigene Techniken entwickelt hat. Vielleicht gar nicht so weit von Bekannten wie Fred Frith oder Robert Fripp entfernt, aber stilistisch und emotional völlig unterschiedlich. Die Intention könnte die gleiche sein. Jedes Umgehen mit dem Instrument bringt die Möglichkeit mit sich, intensive Musik, eigenartige Klänge, unverwechselbare Töne zu finden. Er scheut vor Lärm nicht zurück, vor lauten, schrägen Klängen, die unharmonisch ins Ohr gehen. Doch zumeist sind die 12 Songs von geradezu harmoniesüchtiger Melodie. Kratz- und Schleifgeräusche übernehmen hier das, was sonst Bass, Schlagzeug und Keyboard tun. Erst einmal im Ohr eingenistet, weicht die Ungewöhnlichkeit wohltuendem Genuss. Plötzlich ist die CD vertraut und die 12 Parts zeigen Melancholie, Trauer, Extase, Lust. Die Emotionen gehen tief, Martin versteht es, klar und lebendig zu zeichnen. Doch warum elektro-akustisches Requiem? Weil das elektrische Instrument auch akustisch gespielt, bearbeitet wird. Die exzellente Arbeit wird die meisten Hörer abschrecken, weil auf den ersten Blick zu schräge, heftige Sachen passieren. Bald jedoch öffnen sich ganz andere Details, fügen sich die erst erschreckenden, harten und teils harschen Töne in ein Konzept, ein Gesamtbild, das erheblich dynamisch und vital ist. Das grandiose Werk ist unbedingt zu empfehlen - und keine Angst vor lauten Tönen!

unicornrecords.com
VM



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