Henrik Freischlader "Recorded By Martin Meinschäfer" (Cable Car Records 2009)

Nach dem sich überschlagenden Erfolg der Henrik Freischlader Band der letzten Jahre und dem jüngsten, schlicht ‚Live' betitelten und sich über 3 CDs ausbreitenden, gewaltigen Livealbum geht Chef und Namensgeber, der Autodidakt Henrik Freischlader in sich und präsentiert eine Soloarbeit, die seinem Namen (wieder einmal) alle Ehre macht.
Henrik Freischlader ist nicht nur Gitarrist, obschon er sich hier solistisch am meisten auslebt und vermutlich mit dem Herzen am Klang und Spiel dieses Instrumentes hängt. Schaut euch nur das Booklet an. Seine Band besteht aus ihm am Schlagzeug, am Bass, an der Orgel, an den Gitarren und - am Mikrophon.
Was er zuerst hat, ist Inspiration. Und gewiss ernsthafte Konzentration, aus der Kreativität erwächst. Der Mann ist geerdet wie sein Sound, sein Blues. Seine Größen sind BB King, Gary Moore, Peter Green, Johnny Winter und Joe Bonamassa. 5 persönlich, sozial und spieltechnisch kaum vergleichbare Musiker, die diverse Facetten in Blues und Bluesrock ausgeleuchtet haben (und noch ausleuchten), große Herausforderung sind und Qualität einfordern.
Henrik Freischlader wird in seinen Songs dem Anspruch in moderner Soundsprache gerecht. Er rockt nicht radikal wie Johnny Winter und nicht so intensiv nach innen schauend wie Peter Green, er ist nicht der Gitarrenmacho Gary Moore und längst nicht der gewachsene Blueskünstler BB King, und er hat eine andere Sozialisation als Joe Bonamassa - aber er hat es drauf. Seine Songs swingen und rocken, schwenken sich lässig durch ihre Minuten oder drücken kräftig auf die Tube. Seine Instrumente leben unter seinen Fingern. Sein Schlagzeugspiel ist energisch und differenziert, sein Bassspiel zurückhaltend (mehr Jazzmelodie würde mir mehr gefallen), die Orgel summt, die Songs beben und was seine Stimme ist, die nimmt seine Texte mit. Muss über seine Gitarrenarbeit geredet werden? Über die Knappheit seines Spiels, die Zurückhaltung in balladesken Momenten, die starken Akzente in kleinster Dosis? Vor allem über die Soli und davon hat das Album mit dem komischen Namen "Recorded By Martin Meinschäfer" (lustiger Name, theologischer Natur?) eine Menge. Einige ganz besondere darunter. Kratzige Sounds, lyrische Sounds, hinreißende Harmonien, rasantes Spiel, wohliges Grummeln in dem Bereich der grauen Zellen, der für die Andockung der elektrischen Gitarrentöne zuständig ist - - -
Es sind ein paar schön lange Songs darunter, deren Themen genüsslich ausgebreitet werden. Daran ist nichts zu lang, schon gar nichts. Die Songs brauchen diese groovige Länge, um alles aufgehen zu lassen, was an Vitaminen und Pusteblumen drin ist, zu allererst die, noch mal, Soli an der Gitarre (in Begleitung des wohlig tiiiiefen Basses und der starken Band (wer spielt noch mal mit?).
Was mir persönlich fehlt, komplett fehlt, ist das, was Johnny Winter ausmacht: Rockhärte, Aggressivität, schneidend pfefferscharfe Soli wie Bulldozer-Rasierklingen.
Nix fehlt.
Volles, rollendes, sattes, cool und vollmundig klingendes Blues-Album.

henrik-freischlader.de
VM



Zurück