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Heinz Karlhausen & The Diatonics "Album" (2011)
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Chef des Unternehmens und Namensgeber Heinz Karlhausen (der sich vermutlich nicht nach Artrock-Festival-Freakshow-Charly aka Karl-Heinz Heidenreich benannte?) macht alles anders. Die 11 Songs des Albums namens "Album" (40:55 Minuten) sind nicht komponiert, sondern: dekomponiert. Ausführende Mitarbeiter des Musikunternehmens sind Daniele Martini (ts, voice), Gonçalo Almeida (b, effects, tape) und Friso van Wijck (dr). Musikalisch meinen HK&D sich im lüsternen Spannungsbogen zwischen Hardcore, Jazz, Soundtracks und Filmmusik aufzuhalten. Wer den Sound spannend findet, wird sagen, dass HK&D genau sein Ding machen und sein Stil sind, welcher Stil das auch immer ist und wie er genannt wird.
Die in Rotterdam und Bruxelles (sieht schicker aus als Brüssel, isn't it?) beheimatete Combo fand sich 2008 zusammen und erprobt sich seitdem im avantgardistischen Musikgewerbe. Und da ist alles drin was schräg und schick ist: zwischen schmalziger Lässigkeit und balladesker Laszivität bis zu bassprogressivjazzkratziger Brachialcoreexplosion. Es macht stets Laune, dem vier Mann starken Trio zu lauschen, weil die Dekompositionen viel Idee und charmanten Witz haben. Gleich zu Beginn dröhnen die chinesischen Basstrompeten, den Kaiser anzukündigen, dessen Prozession sich über die 2:50 Minuten lange "Overture" brassbassfett genüsslich entfaltet.
Im Anschluss rocken HK&D mit Jazzidee durch Rocklandschaft, schön hart und rücksichtslos, mit atonaler Idee und viel zarter Melodie, raffinierten Arrangements zwischen epischer Fläche und stolperkomplexer Hardcorebrüchigkeit. Elektronische Effekte fleuchen durch das Off, während das Tenorsaxophon auf fetter Rhythmusbasis pseudopsychedelische Minimalimpulse fährt. Stets mag die Band lieber fett rocken als entspannt dämmern, und doch ist dieses Dämmern steter Teil der rasanten Performance. Kaum ist so ein schicker Song ausgepresst und schwillt noch kraftvoll im Gehörgang, da drängt die folgende Idee nach, mit energischer Wildheit und latent düsterer Ironie im Gepäck. Besonderes Augenmerk gilt neben der hinreißenden, energischen und technisch rasanten Ausführung die Idee der Dekompositionen und ihre raffinierten, intelligenten Entwicklungen.
Die Band ist gerade in Germanistan auf Tournee, steuert Würzburg wie Rostock an und darf nur unbedingt keinesfalls verpasst sein dürfen.
myspace.com/hkdiatonics
VM
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