Heartscore "straight to the brain" (Heartscore Music 2004)

Wenn das Wort "abgedreht" nicht schon längst ganz andere Sphären aufgetan hätte und Heartscore in die fast schon normalen Rockschranken weisen würde, könnte man das Einmann+ - Projekt eben gerade so nennen. Heartscore ist Dirk Radloff, seines Zeichens Versicherungsfachmann und Rockmusiker. Ich denke, der Rockmusiker überwiegt, denn die Verrücktheiten und seine persönliche Präsentation passen in kein gängiges Versicherungskonzept, das sich eher mit solch hohltönenden Worten wie seriös (jaja) u.ä. definiert.
Wie dem auch sei, der Mann hat es drauf, und fällt mit der Tür ins Haus. Bevor das erste seiner zahlreichen und harten Gitarrenriffs ausklingt, hat er bereits die ersten Worte ins Mikro getan. Zeit nimmt er sich auf der ganzen Platte nicht. Die Produktion ist äußerst druckvoll und ohne einen Hauch epischer oder langsamerer Noten aufgezeichnet worden.
Die besondere Note: die Songs sind allesamt etwas schräg komponiert. Der Chor, in dem Radloff sich selbst gedoubelt/verdreifacht oder noch vermehrfacht hat, hat wahrhaft eigenartige Gesangslinien. Das ist eine Mischung aus Sirenen, wie sie Odysseus Mannschaft verführten, Jon Anderson-mäßigen YES-Vocals, dem klapprigen Chor uralter Damen und frohlockender Klapsmühle. Das klingt nach viel Lebensmut, noch mehr Humor und ist beeindruckend! Der Solo-Gesang Radloff's ist herkömmlicher, die Refrains teils gar banal, die Texte jedoch nicht. "Love is like Whiskey" heißt ein Gedicht von Langston Hughes, andere stammen von Edgar Allan Poe, E.E.Cummings, William Blake und weiteren Klassikern. Darum rankt sich ein heftiges Gitarrenspiel, oftmals gedoppelt, auf beiden Kanälen, um den Sound schön fett zu machen, was gut kommt.
Tim Warweg knüppelt sich schlagzeugend durch die Songs, sein Getrommel ist wahrhaft komplex, der Mann scheint aus dem Metal zu kommen, technische und wahnwitzig schnelle Licks scheinen ihm nichts auszumachen, knüppelharte Breaks kommen locker und sicher. Dritter im Bunde ist der harmonisierende Stefan Platte an Piano und Trompete. Dirk Radloff übernimmt die restlichen Positionen, neben Gitarre auch den Bass und gar Violine, was etwas kurz kommt, aber nett gemeint ist.
Ein wenig verrückt muss Dirk Radloff schon sein, sonst würde er nicht zu solch schrägen Ideen finden. Weder geht er mit Heartscore konventionell zu Werke, noch gewöhnlich. Die Mischung ist unvergleichlich. Wer fügt so was so zusammen? Wenn mancher Hörer den schrägen Chorgesang für "echt schief", also fehlerhaft erkennen mag, was er nicht ist, liegt das sicher an den ungewöhnlichen Harmonien. Manchmal geht es aber auch "normal" zu. Vor allem im 5. Song, der meiner Meinung nach von den Beatles geklaut ist, oder aber einem Beatles-Song sehr nah steht. Wie dem auch sei. Heartscore macht Spaß und klingt verrückter, als die Jungs wahrscheinlich sind. Tipp nicht nur für gelangweilte Rockfans. Das gibt es nächstens zur Police als Bonus dazu.

heartscore-music.de

VM




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