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Guapo "Five Suns" (Cuneiform Records 2004)
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In gewisser Hinsicht ist der Sound, den Christian Vander für seine Band Magma schuf, hip. Sagt man Zeuhl, versteht kaum einer etwas, sagt man Magma, nicken die Köpfe. Die düstere, brachiale Musik hat sich weit verzweigt längst in die nächste Generation vererbt und taucht heute als Einfluss auf, wo man sie nicht vermuten würde.
Guapo haben sich in diese Sphäre entwickelt. Wie so viele Bands, die zuerst "etwas anderes" machen wollen und alternative Musikquellen anzapfen, kommen Guapo aus dem Post-Punk. Immer schon leicht neben der Spur und von Hardcore und Avantgarde fasziniert, musste das Trio Daniel O´Sullivan (Fender Rhodes, Orgel, Mellotron, Harmonium, Gitarre, Electronics), Dave Smith (Schlagzeug, Percussion) und Matt Thompson (Bass, Gitarre, Electronics) sich zwangsläufig entwickeln. Dass die Band jedoch ihre Inspiration bei Magma, King Crimson, Univers Zero, Boredoms und Terry Riley sieht, ist erstaunlich und höchst sympathisch.
"Five Suns", 5. Album der Briten, ist ein typisch modernes Werk. Das Liedgut ist von nicht besonders aufwändiger Komposition, dafür von geschicktem und ausdrucksstarkem Arrangement. Die heftige Breitseite der dramatisch-wuchtigen Düsternis an sich reicht schon aus, Freunde zu finden. Mit mörderischer Ausdauer arbeitet das Trio die Themen aus. Von den Tasten geschickt vorangetrieben und zurückgezogen, flicht sich ein hoch emotionales Musikwerk. Oftmals variiert die Melodik nur minimal, nicht so ganz im Sinne von Terry Riley, aber doch in dessen Erbe. Die Schwerfälligkeit der bombastischen, pathetischen Keyboardfiguren wird von komplexem Schlagzeugspiel angemessen vorangetrieben, unterstützt von wildem, geschmeidigem Bass. Laute, überbordende Passagen ebben in epischer Nonchalance ab, wie ein ausführliches Liebesspiel, das seine Reize offenbart und sie wieder verbirgt und damit eine immer höhere Spannung erzeugt.
Der Titelsong "Five Suns" ist ein fünfteiliges Monster von 46 Minuten Länge. Teil 1 schon endet wie ein Orgasmus, die folgenden Parts bleiben auf hohem Niveau dramatisch und berstend gespannt. Da finden sich Höhepunkte, in denen die Gitarren in Frippscher Manier rasante Läufe zu brutal geschlagenem Schlagzeug geben, eine Orgie der völligen tonalen Zerstörung - die dennoch wieder zu Melodik zurückkehrt, erst einmal die unerträgliche Dichte abbaut und wie ein stiller Fluss dahin zieht, dem von vornherein anzuhören ist, dass er wieder ausbrechen und überborden wird.
Guapo sind Meister ihres Faches. Zwischen simpler Note und eindrucksvollem Arrangement wird hier ein fabelhaftes Kunstwerk geboten, in dessen hinreißendem Lärm man gut abtauchen kann.
Die beiden anschließenden Stücke, wie "Five Suns" jazztrunkene Zeuhl-Bastarde, können diesen hohen Eindruck nicht bestätigen, sind ein Bonus, die, wenn nicht gleich entspannen, so doch mit heruntergefahrener Energie laufen.
Guapo´s 5. Werk kann die hohe Spannung, die es immer wieder erreicht, nicht auf Dauer halten. Selbst im monumentalen Titelsong fließt die Musik bisweilen schwerfällig dahin. Es fehlt der Komposition an Abwechslung, nicht alles kann mit hervorragendem Spiel, geschicktem Arrangement, durch elektronische Soundspielereien ausgeglichen werden. Die positive Seite überwiegt bei weitem, aber ihr Meisterwerk haben die Briten damit noch nicht abgeliefert.
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cuneiformrecords.com
VM
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