Ginger "Going Through Arlanda" (Eigenveröffentlichung 2010)

Ginger haben sich fabelhaft entwickelt. Die Zürcher Klassikrocker, deren Stern Psychedelic Bluesrock ist, legen mit "Going Through Arlanda" sieben neue Songs auf, sämtlichst selbst geschrieben, arrangiert, eingespielt und produziert. Und obschon die mitreißende Platte alles andere als überproduziert oder perfektionistisch ist, wirkt nichts, gar nichts unprofessionell. Der hier schwerfällig massige, da schrammelig harte und dort lässig melancholische Rock mit seinen definitiven Wurzeln im besten Rocksound der Siebziger hat in der instrumentalen Verspieltheit der Arrangements einen dezenten Link zum Progressive Rock, reiche Anbindung an Heavy Bluesrock, wie ihn die Großen der Siebziger zu rasanter Exzellenz brachten und lyrische Sphärik im Psychedelic Rock. Neo ist nicht und ebenso wenig retro. Ginger scheinen ganz und gar im Sound der Siebziger aufzugehen, es gibt nicht den Druck oder die überdeutliche Projektion der Retrobands, sondern schlicht das lässigste Musizieren auf hohem Niveau mit hohem Unterhaltungswert.
Micha Bütikofer (voc, g, tr) - dessen Trompetensoli mir außerordentlich zusagen und die in den energisch schwingenden Sound passen, wie die Mohrrübe zwischen die Zähne, Marc Walser (g, voc) - der mit illustren Gitarrensoli in verschiedenen Sounds und Stilen grandiose Erfüllung schafft (und zu denen Micha die Gitarre zum Doppelsolo einklinkt), Dominik Jucker (perc, dr) und Arie Bertogg - die mit mehr als der üblichen Rhythmusbegleitung für das heftige Beben der Songs und das wohlige Gefühl im Bauch sorgen und dem Fundament in aller Bewegtheit die beste statische Festigkeit geben, nun, Ginger haben vielleicht nicht die allerausgeklügeltsten Kompositionen geschrieben, aber treffliche Songs erschaffen, die hinreißend zu genießen sind. Die Platte geht von vorn bis hinten unbeirrt durch wie edler Obstler die Speiseröhre und doch gibt es, neben vielen kleinen und großen Höhepunkten einen Song, der mich am intensivsten berührt und nicht loslässt: der "Crosstown Bar Blues". Nicht allein die lässige Melancholie der Komposition, deren Finesse schon allein im Rhythmusbereich ohne die Solisten gut kommt, sondern das exzellente Gitarrenspiel im Verbund mit dem satten Gesang ist grandios.
Ginger ziehen ihre Sache nicht nur gut durch, sind inspiriert und handwerklich begabt - ihre Energie geht im Zuhörer gut auf, sie kopieren nichts und niemanden und finden doch im reichen Bluesrock-Genre ihren eigenen kraftvoll-lässigen Ausdruck. Dazu Schlaghosen und Bäumeklettern, durch die Wildnis ströpern und den Boddenboden aufwühlen - und die Zeit bleibt stehen.

gingerspace.com
VM



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