|
GET WELL SOON, Live am 25.02.2010 im Beatpol Dresden
|
Ein Gig wie ein guter Film
Ein Mädchen in einem roten Kleid eröffnet die Vorstellung - aber nicht von der Bühne, sondern von der riesigen Leinwand spricht sie den Intro-Text zum Publikum. Wenige Minuten später schlendern Mister Get Well Soon Konstantin Gropper und seine fünf Live-Mitstreiter ganz unprätentiös zu ihren Instrumenten. Im Tourgepäck haben sie das neue Album "Vexations" (zu Deutsch: Ärgernis, Beunruhigung). Es ist einer Art Konzeptalbum, das nach einem berühmten Stück von Eric Satie benannt ist und sich laut Gropper der philosophischen Schule des Stoizismus widmet. Und dieses Konzept wurde auch live umgesetzt, indem die komplette Platte am Stück gespielt wurde - hochkonzentriert und hochprofessionell. Ansagen waren überflüssig, ein knappes Danke zwischen den Songs genügte dem "German Wunderkind" (NME). Zur letzten Zugabe klärte der Endzwanziger sein Wortkargheit auf: "Ich hoffe, ihr wisst es zu schätzen, dass ich euch nicht mit meinen Ansagen gequält habe. Sie sind nämlich überhaupt nicht unterhaltsam." Sprach's und zeigte sich von einer durchaus amüsanten Seite. That's understatement.
Die Live-Umsetzung des Konzeptalbums war brillant mit wunderbaren Arrangements, die live teilweise mehr fesseln konnten als auf Tonträger. Und mit Trompeten, Streichern, Vibrafon und Glockenspiel. Dazu gab's feinste Filmkunst auf der Leinwand. Mal Ausschnitte von alten Filmrollen, mal auch bewegte Sequenzen mit der Combo. Sehr schöne Idee etwa als ein mehrstimmiger Chorus erklang, die Band auf der Leinwand erschien, die Stimmen aber vom Band kamen - während die Band auf der Bühne nur ihre Instrumente bediente.
Nach der Albumpräsentation folgten natürlich noch Klassiker wie "If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting", "Prelude" und "Tick Tack Goes My Automatic Heart". Letzterer in einer Gänsehautversion, die Konstantin mit seiner Schwester unplugged aufführte. Das deutsche Vorzeige-Indie-Folk-Projekt bewies auch live, dass es so gar nicht deutsch daherkommt. Get Well Soon haben das junge wie ältere Dresdner Publikum beeindruckend in ihren Bann gezogen. Ein Gig wie ein guter Film, den man immer und immer wieder anschauen möchte.
youwillgetwellsoon.com
|
|
Text: Stefan
Fotos: Cordelia
|
Zurück
|
|