|
GET WELL SOON, Am 02.05.08 in der Scheune Dresden
|
Weltschmerz live, ein wenig instant
Was Konstantin Gropper im Januar abgeliefert hat, kann man getrost schon vorab als eine der - wenn nicht als die - Offenbarung des Pop-Jahres bezeichnen. Das Debütalbum von Gropper alias Get Well Soon "Rest Now, Wheary Head ..." ist in ein kleines Meisterwerk, eine faszinierende Melange aus Melancholie und Verträumtheit, musikalisch glänzend in Szene gesetzt und vor allem völlig "undeutsch", was dann die einschlägige Musikpresse auch spontan in Lobeshymnen ausbrechen und große Namen aus der Rferenzkiste zaubern lässt. Von Conor Oberst ist da die Rede, von Thom York, Nick Cave und sogar von Leonhard Cohen, alles Vergleiche, die reichlich hinken (lediglich die Parallele zu Beirut scheint es ziemlich zu treffen) und trotzdem sind all diese Einflüsse natürlich nicht gänzlich zu leugnen.
Entsprechend groß waren die Erwartungen in das leibhaftige Erscheinen des Schwaben und seines sechsköpfigen Orchesters. Alle waren gekommen, von recht alt bis sehr jung, um Get Well Soon live zu erleben und die meisten werden's, am Applaus gemessen, genossen haben. Lediglich ein paar überkritische, mittelalte Pop-Veteranen waren nach dem eineinhalbstündigen Auftritt Groppers und seiner Multiinstrumental-Kamarilla ordentlich am nörgeln - und doch haben sie nicht ganz unrecht. Gropper will viel, wenn nicht alles, und trotz seiner sowohl sympathischen als auch sicherlich mädchenbetörenden Erscheinung und der fraglosen Klasse seiner Musiker, wirkt die ganze Sache etwas distanziert, wenn nicht sogar, o böses Wort, steril. Schwer zu sagen, woran es liegt, aber bis auf wenige Momente, etwa wenn der Jungbarde zusammen mit seiner Schwester "ticktack goes my automatic heart" fast a capella ins Mikro haucht, springt der Funke nicht so richtig über. Die Eindringlichkeit, die das Album hat, wird hier nur behauptet, Melancholie, Weltschmerz und Romantik nimmt man Gropper nicht so richtig ab und es kommt gar an und ab die Frage auf, ob er das Ganze nun eigentlich ernst oder doch ironisch meint. Trotzdem, Potenzial hat Get Well Soon ohne Frage, lassen wir ihn also noch ein wenig reifen und kommen in ein paar Jahren noch mal vorbei. "Rest Now, Wheary Head ..." wird bis dahin auf jeden Fall noch einige Runden im heimischen CD-Player drehen.


|
Zurück
|
|