|
Gerald Gradwohl "Sally Beth Roe" (gstone 2009)
|
Beginnt, als stände Steve Vais Name auf dem Cover. Der Unisono-Spruch von männlicher und Kinderstimme. Sodann die elektrische Gitarre, die Jazzrock-Truppe im Technikrausch. Beginnt ausgezeichnet, das neue Werk des österreichischen, Klassik- und jazzstudierten Gitarristen Gerald Gradwohl. Seine Vorliebe äußert sich auf seinem neuen Album Song für Song: da sind bluesige Quasi-Hendrix-Statements zu hören, deftiger Jazzrock, technisch aufgebaut, mit steten Bruchkanten und rasanten Soli.
Seine Band, Jojo Lackner am Bass und Farid "Big Al" Al-Shami am Schlagzeug, sind versierte und wohl geübte Instrumentalisten, die ihrem Handwerkszeug die sensibelsten, kräftigsten, ausdrucksstärksten Töne zu entlocken wissen. Gerald Gradwohl als Gratwanderer zwischen den Tonwelten mit Hang zu Jazz, Metal und Hardrock weiß seine extrem vitale Fingerfertigkeit enorm gut einzusetzen. Die Songs krachen, haben Groove und Breaks, rasante lange Solostrukturen, improvisative und experimentelle Parts, die mal soundtechnisch, wenn die Gitarre im Sound verfremdet ist, mal progressiv klingen, wenn die Band Komplexextreme zum Mitglühen auffährt.
Hier und dort geht das Trio seine Songs auch mal schlichter und härter an, donnert mit Verve durch seinen Bluesrock, nur um an der nächsten Ecke in Jazzrock zu wechseln.
Die 12 Songs sind bis auf die vokale Einführung rein instrumental, Groovemonster mit schrägen Jazzschnitten, Hendrixschlenkern und Vai-artigen Ausflügen sind nicht die einzigen auffälligen Nett-Dinge in den Songs.
Wie scheinbar ungerührt Jojo Lackner jazzige Figuren mit seinem Bass unterhebt, und hier und dort hinreißende Jazzsoli spielt, die sein Spiel, seine Phantasie und sein Handwerk loben, wie Big-Al zerhackte und vertrackte Rhythmusbrüche in seinem federleichten, ultraschweren, mal exzellent leise, dann vital laut tropfdonnernden Schlagzeugspiel ausarbeitet und die Songs dabei ganz unmerklich ihre lockeren 5 bis 8 Minuten überschreiten, ohne dass die Facetten sich wiederholen - da hat sich ein Trio zusammengetan, das enorme handwerkliche mit kompositorischen Fähigkeiten phantasiereich verwebt und bis in seine akustischen Momente exklusive Passion beweist.
Den Prog-Jazz-Fusion Maniacs wird vielleicht die Blueslastigkeit einiger Songs aufstoßen, was sie nicht sollte, so wie hier verwoben, ist Jazzrock so erhaben selten perfetto gespielt worden, den Blues-Freaks wird die Komplexradikalität des verschweißten Solotrios Schweißflüsse die Wirbelsäule runter treiben. Und doch, hört euch die Platte bloß unbedingt an. So cool ist komplexer Stoff selten. So komplex ist cooler Stoff selten.
gradwohl.at
myspace.com/geraldgradwohl
VM
Zurück
|
|