JAN GARBAREK GROUP, Live am 20.10.07 im Alten Schlachthof Dresden

Perfekt gesetzte Segel

Der Herbstwind hat Jan Garbarek und seine Drei-Mann-Gruppe nach Dresden geweht. Die letzten Atemzüge des Windes sind noch deutlich vernehmbar, erzeugt von Rainer Brüninghaus auf seinem Synthesizer. So startet die über zweistündige musikalische Reise des norwegischen Star-Saxofonisten. Wer die Augen schließt, findet sich tatsächlich auf musikalisch hoher See wieder. Mal ist das Wasser ruhig, dann wieder zieht ein bedrohlicher Sturm auf. Die Segel im Bühnenhintergrund tragen dazu bei, diese Gefühle noch zu verstärken.

Gleich zu Beginn des Abends wird klar: Der Gabarek-Auftritt ist weit mehr als ein Solo-Gig mit Begleitband. Im Laufe des Konzerts steht Jan Garbarek öfter einfach nur im Hintergrund, konzentriert und ab und an vor sich in die Hände klatschend. Die Titel, wie man sie vom heimischen CD-Hören kennt, erleben live eine echte Metamorphose. So dauern Stücke schon mal 25 Minuten, ohne dass sie sich im Nirgendwo verlieren. Freilich - diverse Male wird das Steuerrad herumgerissen, häufig der offensichtliche Kurs verlassen. Aber am Ende kommt das Quartett immer wieder am Ziel an. Das Zauberwort heißt perfekte Improvisation. Garbarek (an Tenor- und Sopran-Saxofon), Brüninghaus und auch Manu Katché an den Drums sowie Yuri Daniel am Bass (Stamm-Bassist Eberhard Weber ist leider schwer erkrankt) beherrschen ihr Handwerk mit traumwandlerischer Sicherheit. Das wird überdeutlich, wenn sie solistisch agieren, wozu jeder ausgiebig Gelegenheit bekommt. Ja, so rasant kann man tatsächlich trommeln. Und ja, auch einer Bassgitarre lassen sich bis dato nicht für möglich gehaltene Töne entlocken, worüber sich auch der Musiker selbst immer wieder freut (wenn man denn sein breites Grinsen so deuten will). Mehrfach brandet - einer Woge gleich - begeisterter Zwischenbeifall auf.

Nachdem Kapitän Garbarek sein Schiff vorbei an afrikanischen und arabischen Klippen sicher in den Heimathafen gesteuert hat, fällt es schwer, von Bord zu gehen. Möge schon bald ein Wind die Besatzung erneut an die Elbe wehen. Sie muss auch nicht unbedingt per Schiff anreisen.


                               


                               



bremme-hohensee.de/garbarek.htm

Text: Stefan
Fotos: Cordelia



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