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Fred Frith "The Happy End Problem" (Recommended Megacorp, ReR/FRA 05, 2007)
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FRED FRITH als musikalisches Chamäleon, Polystilisten oder gar Eklektiker zu betrachten, würde den Sachverhalt verdrehen. Er ist eigentlich immer der gleiche, immer Frith. Die Musik ist das Chamäleon, der Gestaltwandler. Er verfügt nur über die Einbildungskraft, das unbändig Polymorphe in immer neuen Perspektiven und Brechungen anklingen zu lassen und den musikalischen Fluss als Delta hörbar zu machen. Das Titelstück und ‚Imitation' auf "The Happy End Problem", zwei Musiken für kleine Ensembles, ausgedacht für Choreographien von Amanda Miller und ihre Pretty Ugly Dance Company und uraufgeführt 2003 bzw. 2004 am Stadttheater Freiburg, zeigen daher nicht zufällig ähnlich plurale Ingredienzen wie die Musik für 100 Musiker. Nur in ganz sublimer, transparenter und schlanker Formgebung, so dass der Rohdiamant der Kollektivorgie sich in fein geschliffene Preziosen verwandelt. ‚The Happy End Problem', das Material von Strawinskys Feuervogel Suite aufgreift, ist instrumentiert mit Geige (Carla Kihlsted), einem Hauch von Percussion (William Winant), Klarinette, Cello, Flöte und Guzheng, mit Frith selbst an Laptop, sporadisch auch ein wenig Bass & Gitarre; ‚Imitation' tauscht lediglich die Flöte gegen eine Shakuhachi und statt Guzheng und Klarinette erklingen Electronic Treatments von Patrice Scanlon. Der subtile Anflug von Japanoiserie bei Letzterem ist gewollt. Als ob Frith in einer Girlande aus 9 Miniaturen in delikaten Origami-, Ikebana- und Kalligraphieästhetiken ein imaginäres Japan imitieren würde, verwoben mit Streicherschmelz, Minimalmusik, elektronischen Silberfäden und aus dem Laptop gezogenem Keyboardgeklimper. Das ‚Feuervogel'-Pathos durchkreuzt Frith mit dem Krähen eines Hahns, die chinesische Zither lässt eher an Bartoks Wunderbaren Mandarin denken, die Violine vexiert zwischen Stringpathos und Messiaen'schen Vogelstimmen, das Cello sägt repetitive Minimalmuster. Hingetupfte Gong- und Glockenschläge, Elektronik und Fieldrecordings malen den Hintergrund für vogelige Flöten- und Klarinettentriller. Knurrige E-Bassriffs und rhythmisch zuckende Orchesterloops evozieren dann ganz unerwartet doch den archaischen Strawinsky, die Geige mit einem eindringlich wiederholten Motiv und Guzhenggeplinke heben sich in zartem Kontrast davon ab. Das Orchester dreht sich grollend in sich selbst, dazu tönt Gitarrenfeedback, perkussiv durchwispert, die Zeit stagniert. Bis die Geige wiederkehrt und Reiskörner aufs Dach regnen. Sagte ich ‚Chamäleon'? Phönix ist das bessere Wort für das hier aufflackernde Wesen von Musik.
rermegacorp.com
rbd / bad alchemy
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