|
Flavio Mezzodi "Elements" (Eigenproduktion, VÖ: 15.10.2009)
|
Der das schweizerische Biberist sein Zuhause nennende Schlagzeuger Flavio Mezzodi legt mit "Elements" sein Solodebüt vor. Auf seiner unten verlinkten Webseite ist ein interessanter Artikel über seinen persönlichen Werdegang zu lesen. Bereits Mezzodis Vater war begeisterter Schlagzeuger, als kleiner Junge saß er schon am Drumset seines Vaters, die Begeisterung hat ihn geprägt und das Schlagzeugspielen zum Beruf machen lassen. Er arbeitet als Schlagzeuglehrer an Musikschulen, ist technisch ausgezeichnet geübt und beherrscht, das beweist seine CD von Beginn an, sein Instrument in allen Facetten.
Flavio Mezzodi spielt in der Band von Stefanie Heinzmann, die mit ihrer Band (samt ihm) im deutschen Fernsehen zu sehen war, nicht nur bei Stefan Raab. In etlichen Projekten verschiedener Stilarten zwischen Jazz, Rock, Metal und Pop ist er aktiv. Seine persönlichen Favoriten sind Neil Peart (Rush), Mike Portnoy (Dream Theater), Simon Philipps (u.a. Toto), Terry Bozzio (Frank Zappa), Vinnie Colaiuta (Zappa, Sting) und Gavin Harrison (Porcupine Tree), allesamt technische Schlagzeuger, die ihre Qualitäten bewiesen haben, was Flavio Mezzodi mit seinem wohl komponierten, sorgfältig arrangierten und herzhaft eingespielten Debütalbum nun auch tut.
Seine technischen Qualitäten als Schlagzeuger sind enorm und machen aus den - auch unabhängig von der Komplexität des Schlagzeugspiels - beeindruckenden Songs rasante, kurzweilige Klanggemälde, die symphonisch progressive sowie Jazzrock-Strukturen grandios verknüpfen. Im Vordergrund steht das Schlagzeugspiel schon deshalb, weil die stete Komplexbetonung jederzeit zu hören ist. Weniger würde auch gehen, wie weniger in sehr vielen Fällen geht, doch diese Fälle sind blass und machen nicht den besonderen und nicht den besonders guten Eindruck, den "Elements" in seiner Vielfalt und seinem konzeptuellen Aufbau hat. Mezzodis Schlagzeugspiel verdrängt seine Mitarbeiter und ihre Instrumente nicht, er sitzt nicht als Drone inmitten Sklaven, sondern als Gleichberechtigter unter Gleichberechtigten, der seine Möglichkeiten ausspielt und mit Wucht und Verve sein Handwerk zelebriert.
Seine Mitarbeiter, Adelmo Mezzodi als zweiter Schlagzeuger (sein Vater? Sein Sohn?), Fabio Zango als weiterer Trommler, Ago Totaro (g, voc), Fernando von Arb (g), Patrick Schaad (voc), Stefan Schroff (g), Sarah Zaugg (b), Marco Mazotti (b) und Philipp Brunner (ss) sind nicht stetig in jedem Song dabei, lediglich zwei Songs haben Lyrics, sind auf Gesang, Strophen orientiert, alle anderen Stücke sind instrumental, entwerfen in ihren bis zu 8 Minuten langen Arrangements symphonischen Schöngeist hier, rhythmische Akzentkomplexität dort, jazzrockige Harmonieabstraktionen, Groove-betonte Epik, poppige Eingängigkeit, kraftvollen Rock, lyrische Balladen, wuchtigen Bombast - stets mit der besonderen Note im Schlagzeugspiel. Es gibt Gitarrensoli, eingängigen Gesang, elektronische Partien - die von Flavio Mezzodi wie das Pianospiel eingespielt wurden - die dem Schlagzeug ein Gegengewicht geben und die Songs wie die gesamte Scheibe rund machen.
Das Konzept der CD handelt, wie der Titel es bereits sagt, thematisch von Feuer, Wasser, Erde und Luft, was die verschiedenen Kompositionen in bisweilen dramatischer Wucht ausdrücken. Das episch angelegte Ende der CD, das lange "Union", endet als manische Rhythmusekstase, als verspielte Schlagzeugorgie um einen festen Punkt, den alle drei Schlagzeuger spielen. Gute Idee, die gleich wieder neugierig darauf macht, wie denn gleich der Anfang dieser Platte noch geklungen hat.
Für den Computer gibt es ein Video-Medley der Songs als Extra auf der CD, Naturaufnahmen mit einzelnen Partien der Stücke. Ein kleiner Bonus, der die knapp 47 Minuten der 8 Songs als quasi Trailer begleitet.
Schönes Album, nicht allein für Schlagzeuger eine Besonderheit. Selbst die poppigeren Gesangsstücke verblüffen ob ihrer kraftvollen und virtuosen Schlagzeugarbeit.
flaviomezzodi.ch
myspace.com/flaviomezzodidrumsworks
VM
Zurück
|
|