Hans Fjellestad "33" (Accretions Records 2003)

Hans Fjellestad´s Musik ist ein Karussell der Stimmungen. "33" ist kein weiteres Solo-Piano-Werk, hier wimmelt es von elektronischen Tönen, Samples und improvisierten Piano- und Keyboardfiguren. Die Klangwelt wird gleich zu Beginn weit aufgesperrt, wenn sich helle Piano-Erregtheiten mit elektronischen Schwell- und Quietschtönen zu einem meditativen Lärm erheben, der neugierig macht. "Hash Knife" geht als zweites Stück gleich darauf ein und präsentiert sich als kunstvoll radikalisierte Pianoballade. Da hüpfen die Töne wie ein Meer ausgeschütteter Flummy-Bälle. Dieses urkomische und dabei so herzliche Stück ist eine besondere Ohrenfreude. Das Arrangement aus freien tonalen Räume eingefangen, zeigt sich komplex und ausgetüftelt, so dass ich zu zweifeln wage, dass Hans Fjellestad tatsächlich am Instrument "improvisiert". Vielmehr scheint es mir, dass Improvisation hier Kopfarbeit bedeutet, die in geradezu "komponierten", auf jeden Fall strukturierten Musikmustern aufgeht. Da treffen sich Töne, die im herkömmlichen Rahmen keineswegs so zu finden sind. In vielschichtigem Arrangement versimplifizierte und geräuschintensive Tonflächen, die im Gemeinklang verblüffend harmonisch und melodiös sind. Selbst harsche Töne, lärmige Samples und bewusst verschlechterte Klang-Anmaßungen scheinen einfach aufnehmbar. So ist das komplette Werk gut verdaulich und wird im unbewussten Hören wahrscheinlich sinnschärfend wirken. Lärm ist Stille, so könnte das Motto heißen. Das ist aber nicht alles. Vor allem in "Smoke Shank", einer pianobetonten Atonalballade, öffnet sich ganz anderes. Plötzlich sind menschliche Geräusche wahrzunehmen. Seufzen, tiefes, erschüttertes Atmen, Weinen gar - das geht tief unter die Haut. Ich ertappe mich dabei, dass ich, wenn diese Geräusche nicht zu hören sind, mit spitzen Ohren lausche, um weiteres zu erfahren. Das Stück verändert sich und eine Stimme formt rhythmische Figuren, während die erregten Atemgeräusche wieder beginnen. Ein mitreißendes, geradezu verschlingendes Stück, in dem ich tief versinken kann. "33" ist ein lärmig-lautes Ambient-Werk, tief empfundene Musik, die in ihrer teils harschen Natur sanft, zart, zerbrechlich wirkt. Hans Fjellestad ist ein Meister des Arrangements, der mit offenen Sinnen ungeahnte, entspannende Musik schafft. Bleibt mir, diese urkomischen, erregt-melancholischen Stücke zu empfehlen. Die erfahrbaren, nachvollziehbaren Songs sind eine fast schon naiv-berauschende Welt, der mit Lust gelauscht werden kann.

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VM



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