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Finnegans Wake "The Bird and the Sky Above" (Fazzul Music 2010)
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Finnegans Wake ist eines der Bandprojekte des belgischen Multiinstrumentalisten Henry Krutzen, der bereits seit Mitte der 1970er Jahre aktiv ist und sein erstes (Solo-)Album ("Silances") 1980 veröffentlicht hat. Unter seinem eigenen Namen spielt Krutzen Neue Musik, unter Xeno Electronic Music und Finnegans Wake ist sein Progressive Rock Projekt. Das neueste Werk unter dem Bandnamen Finnegans Wake hat jedoch viel eher jazziges, frei improvisiertes Klima und mit Progressive Rock nichts zu tun. Progressiv ist die Musik dennoch und allemal, was die inspirierte Crew hier spielt, ist fabelhaft und mitreißend wie jeder spannende Naturdokumentarfilm.
Neben Henry Krutzen (ts, perc, p) sind Alexander Johnson (fl, g-fl), Marcilio Onofre (p) und Markus Stauss (bs) als Bandmitglieder auf dem Backcover zur CD gelistet, als weitere Musiker sind Kizambé Dudú Campos & Sami Tarik (perc), Darlan Marley (dr) und Antônio de Pádua (tr, slide-tr) aufgeführt. Die Band spielt Kompositionen von Krutzen und Onofre, die je eine gewisse Nähe zum Free wie zum Avant Jazz haben, völlig Freigeist sind und sich nicht festmachen lassen.
Einflüsse weltmusikalischer Instrumentaltechnik treffen auf ambiente und neoklassische Strukturen, Jazziges fließt in Abstraktes, Filmmusikartiges hat epischen Worldmusic-Charakter, der nicht örtlich festzumachen ist, sondern wie Naturbetrachtung überall möglich ist, abseits jedes Mainstream, jeder festgefahrenen oder von der Musikindustrie gehypten Stilistik.
Die lose Band zeigt ein enorm ausgeprägtes Gespür für improvisatives Bandinterplay. Und doch klingt es keinen Moment, als hätte die Band tage- oder wochenlang an den Songs gearbeitet, noch, als sei sie von ihrer eigenen Energie überfordert. Beileibe nicht! Die Songstrukturen sind locker in melodisch-harmonischer Hinsicht, nicht besonders abstrakt oder disharmonisch, kaum aggressiv oder wild, eher verspielt und im Augenblick des Klanggeschehens gefangen. Wie in Trance oder auf anderer höherer inspirativer Ebene fließen die verschiedenen Instrumentalklänge magisch zusammen und machen eine ungemein spannende, grandiose Musik auf.
Das Album beginnt mit "Still Dreaming", ein Song heißt "Walking on the Ground", ein anderer "Dark Clouds" - und so klingt es hier auch, die Band scheint wissenschaftlich in ihre Musik vergraben, jeden Ton als Perle entdeckend und die große Harmonie als Wunder in ihrer baren Existenz genießend, erforschend und neugierig verfolgend. Mal fließt eine Struktur leise dahin, plötzlich auflodernd, donnernd und einen Jeden zum Streitgespräch ermutigend, als meinten sie, die dies spielenden Musiker, jetzt über einen Witz lachen oder mit purstem Ernst die komischsten Erlebnisse erzählen zu müssen, alle zusammen und gleichzeitig, um sofort darauf wieder in das sorgfältige Studium der Einzeltöne zu verfallen und sich wie Professoren mit natürlich falschen Socken dem Staubkorn auf dem Ziffernblatt zu widmen, als Instrumentalist am Instrument. Musik ist schon was Komisches. Ob sie funktioniert und ‚klingt', liegt in so vielen Dingen, und ein jedes Ding kann Songs kaputt machen. Hier ist nix kaputt. Oder doch. Aber was kaputt ist, ist eben so auseinander genommen und kaputt gemacht worden. Aus Versehen mit Absicht. In der virtuosen Spielart der versierten, Energie sprühenden Tonsprache der Sockenprofessorenmusiker.
Tipp!
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VM
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