Fiddler's Green, 10.2.07 in Berlin, K 17

"Fiddlers Green" nennt man in Irland das Paradies der Fischer. Aber bekanntlich ist der Weg ins Paradies nicht einfach. Oftmals ist dieser mit groben Steinen gepflastert und der eine und andere Knüppel liegt auch schon mal im Weg. So auch am 10.2.2007 in Berlin, im K 17. Dort nämlich sollte das Paradies sein, dort spielte "Fiddlers Green" aus Erlangen. Um es vorweg zu sagen: es war das Paradies! Aber der Weg dorthin war - wie gesagt - beschwerlich. Über zwei Stunden Vorprogramm, inklusive Um- und Aufbauten waren erst einmal zu überbrücken. Gut, Band Nr. 1, "Larkin" hätte gut und gerne auch ein Solo-Konzert geben können. Da rockte es super los, da stimmte Musik und Show. Gerne wieder. Aber dann kam "Feuerschwanz": Mummenschanz auf "höchstem Niveau". Die Band hätte bestimmt auf jedem Mittelaltermarkt gepaßt, so man Texte immer hart an der Gürtellinie entlang mag, nur nicht als Vorband von "Fiddlers Green". Schade, das war qualvoll. Aber irgendwann hatte man den "Knüppeldamm" überstanden und das Paradies tat sich auf. Die Bühne wurde hergerichtet: Handtücher wurden bereit gelegt, Wasserflaschen positioniert, Bierflaschen versteckt, Instrumente abgestellt und eingestimmt. Dann wurde die Bühne dunkel, Nebel stieg auf, erste farbige Lichtspots beleuchteten einen Statisten im Schafsfell. Unruhe im Publikum ... und wie aus heiterem Himmel - oder eben Paradies - brach "Fiddlers Green" los! Von der ersten Minute an Power, Power, Power. Unglaublich was die Band leistete, von Null auf Hundert in 2,5 Sekunden. Irish Folk war zu hören. Genauer gesagt Irish Speed Folk. Ganz genau, nach "Fiddlers Green" Irish Independent Speed Folk. Also Irish Folk teilweise extrem schnell gespielt und eben ganz unabhängig. Speed Folk hat u.a. seine Wurzel im Punk Rock. Aber die Musik von "Fiddlers Green" darauf zu reduzieren wäre falsch bzw. wird ihrer Musik nicht gerecht. Es "rockte, matelte und punkte" nur so hin, dass dem Irish Folk ganz schwindlig wurde. Und dem Publikum. Dieses war nicht mehr zu halten und pogte, dass das K 17 bebte und kurz vor dem Abheben war. Gut, dass "Fiddlers Green" auch mal eine Ballade - wunderschön - darbot. So konnte die mittlerweile gut wach gerüttelte Seele das Paradies mal bewußt genießen und zur Ruhe kommen - bis das nächste Irish Independent Speed Folk Feuerwerk losbrach. Zu der wirklich phänomenalen Musik und Show kommt hinzu, dass die Musiker einen äußerst sympathischen Eindruck machten und ihnen Spaß, Freude und Schalk förmlich - und ehrlich - im Gesicht geschrieben standen. Also, bei schlechter Laune, miserablen Wetter und sonstigen Weltschmerz lohnt sich ein "Abstecher" in das Paradies der Fischer - so "Fiddlers Green" ihre Hand im Spiel (Wort wörtlich) haben.



Holger Kummerow



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