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Marcos Fernandes & Bill Horist "Jerks and Creeps" (Accretions 2007)
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Filme brauchen Musik. Filmmusik. Und manche Musik ist sich selbst Film genug. So "Jerks and Creeps" der beiden Elektroniker und Phonographen Marcos Fernandes und Bill Horist. Zwar spielen die beiden auch "echte" Instrumente - Gitarre, Trompete und elektrischer Bass sind involviert - aber davon ist in den zwei ultralangen und dem einen sehr kurzen Track auf der CD wenig zu spüren.
Die beiden Musiker arbeiten im Feld der freien Improvisation, ihre Inspiration wurzelt vielleicht im Jazz, in Klassik, Weltmusik und Filmmusik, aber höchstens als Wurzel. Sie "sammeln" natürliche Klänge, die sie mit Mikrophon und Tonband aufnehmen, und "künstliche", die sie mit dem Laptop entwerfen, "Spielen" quasi, zudem instrumentenverfremdete Laute, die von den oben genannten Instrumenten stammen, diesen aber gewiss nicht schlicht zuzuordnen sind, weil Verfremdung und "spielfremde" Spielweise hier das oberste Prinzip sind.
Kann daraus Musik werden? Und wie! Zwar ist dieser spannende "Film" fürs Ohr alles andere als herkömmlich, da versagen selbst Parallelwelten wie Electronic, wenn dies auch der Freien Improvisation im Felde der Elektro-Avantgarde Fernandes' und Horist' am nächsten kommt. Ein Tonmeer springt aus den Boxen: Brummen, Quietschen, Radioklänge ("Wir drehen an der Kurzwelle" von Kraftwerk könnte da durchaus als frühe Inspiration gelten), aber auch durchaus melodische, abstrakt melodische Töne und Tonfolgen sind zu erfahren. Mal klingt eine Passage wie in einer lauten Fabrik aufgenommen, Metallgeräusche, lange Eisenrohre fallen auf einen Boden weit im Off, verfremdet um melodische Momente, mal klingt es wie im wissenschaftlichen Labor, wo Physiker Wellenlängen messen und Stoffe mit Strahlen testen, die dieserart Klänge abgeben könnten. Dann wiederum kommt das Gefühl auf, das Weltall wäre der mögliche Ort, diese Töne ins große Nichts zu schleudern, selbst zu produzieren, und niemand hört es - außer einigen über "normale" Musikstrukturen hinaus denkende Futuristen, die Lust haben, nach Merzbow und anderen harschen Elektronikern einen "Klang" zu entwerfen, der bisher nur in ihrer Phantasie zu finden war - der aber in milderer Form bereits in etlichen Kinofilmen und anderweitig im Kunstgeschehen Einzug gehalten hat. Fernandes und Horist "spielen" die harte Variante, Werkstattklänge, deren tonale Klarheit faszinierend ist und deren abstrakte Melodik die Wurzeln in "echter" Musik erkennen lässt.
Es lässt sich ablesen, wann DJs beginnen werden, diese Klänge in eigene Dance-Shows einzubauen, im Jazz sind diese Klänge schon aktiv, und selbst in den konservativen Feldern Rockmusik und Klassik, die sich ungern nur aus ihren festen Strukturen lösen und neues aufnehmen, finden erste zaghafte Ansätze ihren Einzug. Die populäre Musik bleibt spannend…
marcosfernandes.com
billhorist.com
accretions.com
VM
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