DIE FANTASTISCHEN VIER, Live am 24.11.07 in der Arena Leipzig

Fantastische Ufos bei den Picknickern

Es ist tatsächlich unglaubliche 15 Jahre her, als "Die da" die Charts aufmischte. Deutschsprachiger HipHop war plötzlich ein Thema, die Fantastischen Vier waren eine der ersten Combos, die ihn bei Publikum und Kritikern etabliert hatten. Unzählige, oftmals unsägliche deutsche Sprechgesangs-Acts kamen und gingen in den folgenden Jahren - "Fanta 4" sind nach wie vor da. Inzwischen um die 40 Jahre alt (And.Ypsilon feierte als Erster sein Jubiläum vor ein paar Tagen, die anderen drei sind nächstes Jahr dran), stellt sich natürlich die Frage: Kann man in dem Alter noch überzeugend "jugendliche" Musik machen? Die Antwort nach dem Leipzig-Auftritt kann nur heißen: Definitiv!

Das Konzert startete geheimnisvoll: Über der nur schwach beleuchteten Bühne befanden sich mehrere überdimensionierte grün leuchtende "Hängelampen", die sich zu den sampleartigen Worten aus dem Titelsong der aktuellen Scheibe senkten. Und damit an ein landendes Ufer erinnerten. Dann gingen das Licht und die Beats an - und sofort war das Publikum da. Angesichts des Meeres aus 10.000 begeisterten "Picknickern" (Fanta-4-O-Ton) zeigte selbst das gestandene Quartett Gefühl. Was dann in extrem kurzweiligen zwei Stunden folgte, war ein einziger Rausch - musikalisch, stimmungstechnisch und vor allem visuell. Erwartungsgemäß wurde viel von "Fornika" gespielt, allerdings immer wieder durchbrochen von alten Nummern, wovon die Band inzwischen natürlich mehr als genug hat. Das Bonbon schlechthin war die optische Seite der Show. Aus den erwähnten "Hängelampen" wurden mitten im Konzert Videomonitore; der gesamte Bühnenhintergrund war ein gigantisches Licht-Dioden-Meer, das unter anderem mit der Kamera eingefangene Bewegungen von Thomas D. verfremdet wiedergab; eine andere Projektionsfläche vermittelte einen täuschend echten 3-D-Eindruck. Und so gab es Details über Details zu entdecken. Als man dachte, nun ist keine Steigerung mehr möglich, folgte einmal mehr eine Überraschung: Im hinteren Saaldrittel senkte sich eine Plattform von der Hallendecke - und darauf stiegen die Protagonisten des Abends. So hatten auch all jene, die weit weg vom Bühnengeschehen standen, die Fantas (fast) zum Anfassen.

Wer die Fantastischen Vier einmal live gesehen hat, versteht den langjährigen Erfolg dieser Band. Auf einen Nenner gebracht, könnte die Zauberformel heißen: Authentisch, sympathisch und immer offen für Neues (krachige Rock-Gitarren-Nummer!). Da machte es gar nichts, dass am Ende "Die da" nicht gespielt wurde. Die Reise zu den Ursprüngen gab es aber dennoch, dank eines Medleys: Michi Beck stand hinter einem im Stil der Neunziger bunt beleuchteten DJ-Pult, neben ihm Thomas D. und der an diesem Abend leicht heisere Smudo. Dass die Band bei diesem Blick zurück richtig Spaß hatte, bewies unter anderem ein "Handtuch-Fight". Zum Glück sind die Fantas trotz des fortgeschrittenen Alters noch immer nicht erwachsen geworden.

diefantastischenvier.de

Stefan



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