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Electric Masada At the Mountains of Madness (Tzadik, TZ7352, 2 x CD, 2006)
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Würde es nicht genügen, um At the Mountains of Madness zu würdigen, wenn ich nur die Namen John Zorn, Marc Ribot, Jamie Saft, Ikue Mori, Trevor Dunn, Joey Baron, Kenny Wollesen & Cyro Baptista wie Perlen auffädle und feststelle, dass ELECTRIC MASADA live in Moskau und Ljubljana 2004 alle Wünsche erfüllte, die Herz & Hirn an Musik richten? Dass ich mir in den Arsch beißen könnte, weil bereits der Auftakter ‚Lilin' alle Register eines Updates von Jazzrock zog, ohne mich? Wobei ich mir Jazzrock zurecht phantasiere als nur die dynamischsten Passagen von Mahavishnu Orchestra, Miles, Hancock und eher noch Zappa und Soft Machine als aufgeblasenen ‚Fusion'-Kram, bevor der New Yorker Komponist & Altosaxophonist das damit anstellen kann, was er mit seinem Starkstromensemble an New York Now-Cracks damit anstellt. Von seinen 50th Birthday-Allstars ist nur der Naked City-Drummer Baron auch ein weiterer Masada-Mann, aber mit Mori ist Zorn seit wohl 25 Jahren verbunden und was wären seine Filmmusiken ohne Ribot und Baptista? Dunn mit seiner Erfahrung als Mr. Bungle- und Fantomas-Bassist, Saft als der Freak In-Keyboarder des Masada-Trompeters Dave Douglas, der New Klezmer- und Sex Mob-Trommler Wollesen, sie alle liefern die Synergie, um Zorns Fächer an Vorlieben so pfauenradmäßig aufzufalten, wie er das liebt. Jazz von Postbop bis zum schrillsten Over-the-Top-Kreischen auf dem Alto inklusive Naked City-Daumenkino (‚Hath-Arob'), Exotica in träumerischer und schwelgerischer Opulenz, durchsetzt mit messianischer Hymnik (‚Abidan', ‚Kedem'). Wobei all diese Hybridisierungen tatsächlich Zorns Vision einer New Jewishness entsprechen mögen, wenn ‚Jewishness' heißt, aus Allem das Beste zu machen und dabei H.P. Lovecraft mit Sabbatei Zwi, Marguerite Duras mit Mickey Spillane, Morton Feldman mit Carl Stalling und Primitiva mit Pangaea und I sing the Body Electric zu vermengen. Wer hat denn in den letzten Jahren Melodien zustande gebracht wie ‚Idalah-Abal' in all seiner von den Drummern zum Gipfel geprügelten Großartigkeit? Einen Blues wie ‚Yatzar', den Ribot herzzerreißend spielt, bevor man auf eine Enchanted Island entführt wird. Ribot ist trotz seiner Distanzierung von Zorn ideologischer Chuzpe mit ganzer Hingabe seine süßeste und seine gewaltigste Stimme. Für die Flohspringprozession ‚Metal Tov', im Vergleich zu der das Naked City-Original auf Radio zum folkloresken Tänzchen erblasst, schwingt er die Metal-Axt, um bei ‚Karaim', benannt nach dem türkischen Jiddisch und eine der innigsten Masadamelodien überhaupt, eines der schönsten Gitarrensoli der Instrumentalrockgeschichte zu erfinden. Da möchte man die Insel des vorigen Tages gleich noch einmal ansteuern und genau das geschah in Ljubljana. Sechs Stücke kehren wieder, nur zum Auftakt kommt statt ‚Lilin' ‚Tekufah' und beamt den 74er Miles 30 Jahre vorwärts in die Gegenwart und Ribot fetzt dazu einen ultimativen Chorus nach dem anderen mit bisher unerhörten Delayeffekten. Moris Zwitschermaschine war selten so effektiv zu hören wie mit dieser phantastischen und toughen Wuxia-Musik. Jesus-Lookalike Saft läuft durch ‚Abidan' wie mit Katzenpfoten über Glas, dessen Splitter Mori funkeln lässt. Und Ribot, ach Ribot... Seine Gitarre killt vielleicht keine Nazis, aber sie spuckt Feuer und sie streut Rosen und manchmal bringt sie sogar die Rosen dazu, aufzuflammen. In solchen Burn, Baby, Burn-Momenten wird auch klar, wozu eine 3-köpfige Rhythmsection besonders gut ist. Wie sie bei ‚Idalah-Abal' Zorn auf ihren Schulten so nah ans Paradiesestor stemmt, dass er ein Loch hinein bohren kann. Davon noch ganz fiebrig, federt sie durch ‚Kedem', das den Ljubljana-Abend mit einem Bitches Brew-Spektrum der elektrifizerten Masada-Ingredienzen beschließt. ‚Jewishness' ist nur ein Gleichnis, das Unbeschreibliche, hier wird's getan.
tzadik.com
rbd / bad alchemy
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