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EAGLE*SEAGULL, Live am 31.05.2008 im Beatpol Dresden
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Herbst-Mucke bei 30 Grad im Schatten
Das melancholisch-elegische, Weltschmerz verströmende Liedgut von Eagle*Seagull und die aktuellen tropischen Außentemperaturen sind ja erstmal nur bedingt kompatibel. Ist ja eigentlich Herbst-Mucke, was die fünf Jungs und das Mädel aus Lincoln, Nebraska fabrizieren. Dementsprechend dürftig ist die Motivation des gewöhnlichen Musikfreunds, diesen letzten Maiabend in einem schwül-stickigen Club zu verbringen, anstatt die kleine nächtliche Abkühlung im Freien zu genießen. Das sagten sich wohl die meisten der örtlichen Fans (Verdammt, die muss es doch geben!), in den Beatpol verirrten sich jedenfalls nur rund einhundert von ihnen. Was Eli Mardock und seine Leute dann vom Stapel ließen, kam einigermaßen überraschend: Keine Spur von Novemberdepression, das erste Drittel des Sets bestand komplett aus Material, das Kenner des Debüts "Eagle*Seagull" mehrheitlich wahrscheinlich noch nie gehört hatten. Eine Tatsache, die sich wohl mit dem für den Sommer angekündigten Nachfolge-Album erklären lässt. Und das scheint durchaus beschwingter zu werden.
Aber eigentlich ist man ja dann doch hier, um das alte Herz-Schmerz-Zeug zu hören, das Mardock so unnachahmlich aus sich herauszupressen pflegt. Und welches, man kann sich dieses Eindrucks nicht erwehren, schamlos zusammengeklaut ist. Aber die Raub- und Seevögel sind geniale Diebe, die Beute wird so geschickt neu arrangiert, dass man sich ständig fragt, was zum Teufel hier alles drin steckt. Radiohead? Connor Oberst? The Cure? Das alles trifft es höchstens ganz am Rande, am nächsten kommt dem großen Geheimnis noch, wer ganz tief in der Mottenkiste kramt: Kann sich noch einer an Pavlov's Dog erinnern?
Wie auch immer, bei Eagle*Seagull trift geniales Songwriting auf großes Musiziervermögen und ein gerüttelt Maß Charisma. Schade nur, dass alles, was an diesem Abend aus der Club-PA scheppert, im kleinen, schlecht gefüllten, dafür gut geheizten Saal recht gründlich verdampft. Die Bombast-Sounds des Sextetts aus dem Mittelwesten sind ja eigentlich gut fürs Stadion - im besten Sinne!


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