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Dreadnaught "the american standard" (Red Fez Records 2002)
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Holla, das geht gut an! Der Opener "Ballbuster" prescht grandios ab. Harte Gitarren in doppelten Spuren, heftiger, sehr komplexer Rhythmus und ein fetter, scharfkantig erzählender Bass, der dem ganzen die wasserdichte Abfederung gibt - das Thema hat es in sich. Im Mittelteil erzählt das Stück melodisch, bis die Gitarre die Nase voll davon hat und wild und hart in die Harmonie schneidet. Die Geige ist leider nicht so recht zu hören, das Instrument geht etwas unter. Das amerikanische Trio Robert Lord (bs-g, synth, org, voc), Justin Walton (g, p, sax, org, voc) und Richard Habib (dr, perc, voc) hat sich ein paar Gäste ins Studio geholt: Shaun Frenchie Michaud (dr loops, synth), Andy Happel (vi), William Walton II (fr-horn), Jay Williams (euphonium) und Daria Blake (fl). Gemeinsam haben sie ein fast einstündiges Werk in 13 Teilen eingespielt. Crimsonesker Progressive Rock trifft auf Alternative Rock. Gitarrenambitionierte Popstrukturen werfen avantgardistische Jazzrockmuster auf, gar Country hat seine Spuren hinterlassen. "the american standard" ist eine sehr amerikanische Platte mit vielen modernen Rockelementen, die tief im abstrakten Progressive Rock fußen. Schon das dreiteilige "Deus Ex Machina" erzählt im ersten Teil "The Jester´s Theme" eine so urkomische Melodie in witzigem Arrangement, das die CD sofort sämtliche Sympathie für sich eingenommen hat. Allerdings muss man offene Sinne mitbringen. Das Stück wird immer schlichter und humorvoller, schneller, rasanter und vielfältiger. Als wollte ein plötzlich auf den Punk gekommener Countrymusiker Progressive Rock neu definieren! Schön harte, schneidende Gitarrensoli! Vor allem - und das ist die sympathischste Seite an Dreadnaught - nehmen sie nichts zu ernst. Das macht sie außerordentlich. Weder gibt es irgendwelche typischen Töne zu hören, noch sind auch nur ansatzweise langweilige Strukturen angesagt. Die verblüffend vom einfachen ins überkomplexe kippenden Songs greifen gerade mit ihrer Ungewöhnlichkeit. Seid ihr schon mal auf einem Dorffest besoffen gewesen, es ist spät und die Band spielt endlich, was sie selbst will? Irgendwie scheint ihr aus der Hölle zu erwachen und den Himmel zu sehen. Zwischen den abstrakten und genial inszenierten Meisterwerken, so kurz sie im Einzelnen auch sein mögen, versteckt sich schon mal ein etwas farbloses Stück (Bünnaschidt, Swing), das mit Alltäglichkeit betrübt. Doch grandiose Ideen machen alles wieder wett. "the american standard" ist bereits das dritte Album von Dreadnaught. Die Vorgänger "Una Vez Mas" (2000) und Dreadnaught" (1998) müssen jetzt ins Auge, Pardon, Ohr gefasst werden. Das Cover ist eine Meisterleistung, Blick frei für freie Bürger, eine Bushparodie. Danke, Dreadnaught, für dieses kurzweilige, amüsante, unterhaltsame und schön komplexe Werk!
VM dreadnaughtrock.com
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