douBt "never pet a burning dog" (Moonjune Records 2010)

douBt gedenken in ihren Thank Yous Elton Dean, der das Trio zusammen gebracht hat. Alex Maguire (keys, Hatfield and the North, Elton Dean, Michael Moore), Michel Delville (g, The Wrong Object, Comicoperando, TZGIV) und Tony Bianco (dr, Dave Liebman, Paul Dunmall, Alex von Schlippenbach) [plus Gast Richard Sinclair mit Stimme und Bass in zwei Songs, den einzigen nichtinstrumentalen Stücken] kochen eine gemeinsame Avantrock Brühe, die gewiss jazzsatte Soft Machine Einflüsse parat hat, alten, heftigen King Crimson ihre bare Zuneigung beweist, zappaeske Freakigkeiten mit Wucht und Verve intoniert, wie dieser sie 1973 mit seinen illuster genialen Livemusikern zelebrierte (Bootlegs!) und nicht minder einem ganz besonderen weiteren Exzellenzmusiker die Ehre erweist, wenn der auch nicht weiter erwähnt wird: Pierre Vervloesem hat bereits in diesem Geiste gewirkt und Radikalnoisette mit Kompositionsfinesse erdacht, für die Ewigkeit aufgezeichnet und auf CD dem (neu)gierigen Auditorium angeboten.
Zudem jedoch klingen douBt nicht wie eines der genannten Vorbilder im Besonderen, sondern haben die Inspirationsideale auf eigene Weise fein gewirkt. Opener "Corale Di San Luca" ist zwar von Alex Maguire komponiert, ganz jedoch auf Richard Sinclair zugeschnitten, der seinen lindsamtenen Gesang wie eine Jungfer singt, wozu die Band im Beginn noch dezente Harmonie probiert. Ohne Pause wirft sich die heftige Atonalität von "Laughter" darüber, auch von Maguire, und hier zeigt sich des Projektes intensives Gesicht ohne Schleier: improvisativer Jazzrock, hart gespielt, druckvoll, energisch, intensiv, dramatisch, dicht dran, wer als Zuhörer seinem Suchtfaktor gern vollkommene Erfüllung geben mag, muss - zumindest für einen Augenblick einmal - seine Ohren ganz dicht vor die Boxen setzen und den satten Druck aufnehmen, den die erschütternd lebhafte Band gemeinsam entfacht.
Nichts ist besonders komplex komponiert, das bleibt bis zum Ende, zum letzten Song so, die Stücke haben gar eher psychedelische Magie, Jazz-Psychedelic-Magie, deren progressiver Tiefgang zu schwer ausgeloteten Harmoniewahnsinnigkeiten verspielte Komplexrhythmen entwirft, auf denen die Soloinstrumente ausgedehnte Kurse ziehen.
"Over Birkerot" ist eine Terje Rypdal-Komposition, von Michel Delville arrangiert, und richtig, dieser Name fehlt bislang in der Inspirationsabteilung: und gehört definitiv dazu. Diese Zerfahrenheit, düstere Verspieltheit und Wiedahingeworfenheit, als wäre der Sound fast nebenbei entstanden, so leicht ist die verflixt schwere Brut, wirken hauchzart skandinavisch, vor allem in ihrer Jazzbetörtheit und elegisch nervösen Besoffenheit.
In "Passing Cloud", wieder mit Richard Sinclair am Mikrophon, geht es wieder etwas liedhafter zu, Mellotron (echtes!) schwebt durch den tonalen Raum, das Schlagzeug hat eine dezent poppige Avantnote und die Jazzharmonie der Komposition schlendert durch ihre lässig dahin geschmetterten Minuten.
Erst "Cosmic Surgery" und "Beppe's Shelter", Nummer 6 und 8 auf der CD, sind Michel Delville Kompositionen. Der Gitarrist hat eine kraftvollere, konzentriertere Handschrift, die Verspieltheiten sind fester verzurrt, es geht nicht so lässig und locker zu, fast wirken beide Songs etwas krautig, germanisch.
Aufgenommen wurden die 8 zwischen drei und fast 9 Minuten langen Tracks in Beppe Crovellas (Arti & Mestieri) Electromantic Studio live und ungeschönt am 6. und 7. August 2009, im Oktober 2009 wurden sie dort gemixt, die Postproduktion wurde von David Minjauw im Simonne Studio in Brüssel getan, und der ganz und gar nicht Geringe Pierre Vervloesem hatte nicht einen Finger im Spiel, was ich der Band durchaus gegönnt hätte, der Mann ist unübertrefflich. Jedoch, David Minjauw hat seinen Job exzellent getan, nicht minder Beppe Crovella in Italy.
:die beste der ersten Moonjune Produktionen in 2010:

myspace.com/doubt3
moonjune.com
VM



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