Donkey "Big Sur" (Accretions 2002)

Wenn Merzbow der Avantgardist ist, sind Donkey die Melodiker. So einfach ist es zwar nicht. Aber die Richtung stimmt. Donkey sind Hans Fjellestad (analog & digital synth, sampler, electronics) und Damon Holzborn (g, sampler, electronics), die in den 3 Stücken ihres Albums "Big Sur" eine tonale Bilderflut entfesseln, die spannender und entspannender nicht sein könnte. Vor allem das reichhaltige "Crick", eine verblüffende Tour ins Unterholz, durch Wasser, an allen Tiergeräuschen vorbei, Stimmen, Wind und Wellen analysierend; immer wieder neu, schräg und avantgardistisch, gleichfalls jedoch in seiner epischen Vielfalt ambient und harmonisch, beeindruckt ungemein. Da blubbert, quietscht und schrillt es, während der Syntheziser eine tonale Figur entwirft, die die Berührung der Mücke an der Glasscheibe imitiert. Die Mücke knallt immer wieder gegen das Glas und kann doch nicht hindurch. Die "Melodie", die "Musik" des Stückes ist steten Veränderungen unterworfen. Leise, harmonische Töne gebären harschen Lärm, lautstarke Tonfluten bersten in verhallender Leere. Knitterlaute streiten mit Vogelstimmen. Es ist, als hörte man das Gras wachsen. Wie sich der Grashalm Stück für Stück aus der Erde quält, die ganze Welt ringsum in ihren Urlauten, vorbeiziehend, stehend, ersterbend. "Wood" und "Fog" entwerfen ganz andere Bilder, die Songs sind live eingespielt und haben längst nicht die tonale Fülle von "Crick". Nichtsdestotrotz beeindrucken sie mit der unwirklichen und scheinbar disharmonischen Harmonie. Man muss sich nicht weit hinauslehnen, um diese "Musik" zu lieben, in der heutigen ambientverliebten Welt ist "Big Sur" längst nicht die avantgardistischste Variante musikalischer Möglichkeiten. Der Lärm auf dem Wege zur Stille.

VM
hansfjellestad.com


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