DEINE LAKAIEN & Neue Philharmonie Frankfurt, Live am 27.09.07 im Kulturpalast Dresden

Das Orchester als Geburtstagstorte

Deine Lakaien gelten den Meisten auch nach 20-jähriger Existenz und Präsenz noch immer als Grufti-Band. Zu Unrecht! Davon konnte man sich spätestens auf der dieser Tage zu Ende gehenden Geburtstags-Tour unter dem Motto "20 Jahre electronic avantgarde" überzeugen. Was die Lakaien mit dem dreißigköpfigen Orchester der Neuen Philharmonie Frankfurt unter anderem im Dresdner Kulturpalast präsentierten, war schlichtweg die hohe musikalische Schule.

Bereits der äußere Rahmen ließ eher an ein klassisches denn an ein Popkonzert denken, in den Sesseln des Kulturpalastes fühlt sich der Besucher wie in einem Konzertsaal. Nachdem die Orchestermusiker - allesamt in schickem, schwarzem Zwirn - ihre Plätze eingenommenen hatten, betraten die Lakaien die Bühne. Ernst Horn, in dunklem Anzug und mit halblangem Haar, ergriff den Taktstock, nachdem er kurz in seiner "Elektro-Instrumenten-Burg" den Teppich bereitet hat für den Eröffnungssong "Lonely". Sänger Alexander Veljanov, im weinroten Gehrock und wie immer mit perfekt sitzender Barockfrisur, schritt zum Mikrofonständer (von dem er sich für den Rest des Abends nur sehr selten trennte) und erfüllte den Saal mit seiner warmen, sonoren Stimme. Bereits bei den ersten Stücken Lonely", "Slowly comes my night" und "Follow me" wurde das Konzept des Abends deutlich: den eher elektronischen Lakaien-Songs frische Facetten zu entlocken. Eigens zu diesem Zweck hatte Komponist Horn die Stücke neu arrangiert, eigens für die insgesamt nur sieben Auftritte mit Orchester hatte er seine alten Dirigierfähigkeiten reanimiert (Horn ist studierter Musiker). Und er fühlte sich sichtlich wohl in seiner Rolle als "Orchesterchef". Dank der Neu-Arrangements, durch welche die Kompositionen teilweise deutlich länger wurden, war die "Fahrt durch 20 Jahre Deine Lakaien" (A. Veljanov) auch oder gerade für die vielen anwesenden Alt-Fans äußerst spannend. Überhaupt ist diese spezielle Form des Konzertes die perfekte Widerspiegelung des künstlerischen Ansatzes der Band, die immer ohne Scheuklappen gearbeitet hat und immer auch klassische Elemente in ihre Musik einfließen ließ.

Während die erste Hälfte des Konzertes mit komplettem Orchester absolviert wurde, standen die Lakaien nach der Pause erst einmal zu zweit auf der Bühne. Mit "Colour Ize" und "Nobody's wounded" ging es zurück zu den Anfängen. Veljanov: "Wer damals bereits geboren war erinnert sich vielleicht." Dann kehrten erst die Band - B. Deutung am Cello, Sharifa und Ivee Leon an den Geigen sowie Robert Wilcocks an E- und Akustikgitarre - und schließlich auch das Orchester zurück, um das französische "Vivre" sowie weitere Klassiker wie "Return" und "Reincarnation" zu zelebrieren. Dass nach dem offiziellen Teil noch nicht Schluss sein konnte, war allen Anwesenden klar, zu sehr hatte diese einmalige Konzertkonstellation das nicht nur schwarze Publikum in den Bann gezogen. Vier weitere Stücke erklangen, und erst nach drei Stunden war mit dem "Lieblingslied der meisten von euch", so Veljanov, der finale Akkord erreicht: "Love me to the end". Das wird sicher jeder einzelne Besucher dieser Geburtstagstour tun - möglicherweise während er die zauberhaften Konzertmomente noch einmal per Geburtstags-DVD "20 Jahre electronic avantgarde" Revue passieren lässt.

deine-lakaien.com

Text: Stefan
Fotos: Cordelia



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