Dead Congregation - Graves of the Archangels (Nuclear War Now! Productions 2008)

Death Metal aus Griechenland? Nun ja, die hellenische Szene ist vor allem für eigensinnige Werke schwarzmetallischer sowie häufig epischer Prägung bekannt und auch nicht wenige technisch anspruchsvolle Formationen hat das Land hervorgebracht. Geradliniger Death Metal war aber wirklich nicht das, was ich bisher mit Griechenland in Verbindung bringen konnte und so hat der Auftritt von Dead Congregation auf dem sowieso schon (höllen)fürstlichen Hell's Pleasure Festival 2009 in Thüringen zu einer Art Erleuchtungserlebnis geführt. Mit nahezu beispielloser und vernichtender Präzision fegte das Quartett durch die knappe Stunde Spielzeit und sorgte bei so einigen dies Erlebenden ganz unerwartet für staunende Blicke und offenstehende Münder. Und das keinesfalls wegen sonderlicher musikalischer Innovationen oder gar unerhörter Stilfusionen, sondern ganz einfach aufgrund der imposanten Klasse einer bis dato nur innersten Szenezirkeln bekannten Band.
Dead Congregation orientieren sich in erster Line an heftigem und gut strukturiertem US-Death Metal im Stile von Immolation oder Incantation und kontrastieren diesen deutlich mit massiven Doom-Passagen, so dass auch Querverweise zu Asphyx, disEMBOWELMENT, Runemagick oder Coffins legitim sind. Dass eine Band dies nun aber mit derart messerscharfer Präzision gelingt, ist selbst bei renommierten Großmeistern nicht selbstverständlich und was Dead Congregation in atemberaubender Manier live zelebrieren, gibt es fast ebenso mitreissend auch auf dem bislang einzigen Longplayer "Graves of the Archangels" zu erleben. Wäre nicht die von eindeutiger und arg klischeehafter Death-Metal-Symbolik behaftete Aufmachung der CD - man könnte beim Hören des programmatisch betitelten Openers "Martyrdoom" stellenweise denken, bei einer lupenreinen Doom-Formation gelandet zu sein. Doch im Hintergrund werden bereits die Messer gezückt und die Doppelfußmaschine wird warmgespielt, bevor dann mit "Hostis Humani Generis" erstmal drei Minuten lang die Brutal-Death-Keule geschwungen wird. Auch das artet bei Dead Congration nie in stumpfer Knüppelei aus, sondern bleibt stets mit raffinierten Feinheiten bishin zu Einschüben landessprachlicher Sakralmusik garniert. Insbesondere die im Folgenden noch häufig zum Zuge kommenden Übergänge zwischen Speed- und Slowmotion-Passagen sind mustergültig und klingen nach aufopferungsvoller Proberaum-Schufterei in Verbindung mit großem Talent. Wer es immer noch nicht glauben will, dem seien noch die Abrissbirne "Vanishing Faith" und das vertrackte Titelstück ans Herz gelegt.
In diesem Sinne schliesse ich mit der treffenden Selbstdefinition der Band: "Echoes from the Abyss, cries of desperation, DEATH Metal the way it's meant to sound."

Volker Schulz



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