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Hal Darling - D2R (Eigenveröffentlichung 2003)
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Immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet! Trommler Hal Darling (Der immerhin schon seit vierzig Jahren seinem Hobby nachgeht) hat sich Uri Gatton und Athan Gallis ins Studio geholt, um mit ihnen 'D2R' einzuspielen - was man hier bekommt, ist Avant-Prog vom Feinsten, gewürzt mit RIO-Affinitäten, die sich jedoch insofern von Bands wie Art Zoyd und Miriodor unterscheiden, als das es hier - verständlicherweise - weitaus perkussiver zugeht.
Dennoch spielen die Keyboards (auch von Darling gespielt) eine große Rolle; immer dann, wenn sie es sollen. Die Natur von 'D2R' bleibt ob - oder aber vielleicht gerade wegen - der unüblichen Keyboardklänge eine minimalistische. Für den Hörer ist das nur von Vorteil, so kann man sich vollends auf die in ihrer Zahl geringen, aber ständig evolvierenden Klangfarben konzentrieren. Der 'Clown On Fire' klingt genau wie sein Titel - charmant, komisch und...interessant. Kirmesartige Klänge zu rotierendem Drumming. Wenn Darling mal nicht mit seinem tödlich präzisen, hochkomplexen, aber immer nachvollziehbarem Spiel verzaubert, gibt es Keyboardinterludes wie 'An Unsettled Score' zu hören, die, wären sie nicht synthetisch instrumentiert, schon fast orchestral klingen würden.
Das ganze Album ist von einer vertrackt-düsteren Stimmung durchgraben, manchmal löst diese sich in einer Art Situationskomik auf - und dann geht es mal eben in eine andere Richtung. Vor allem durch die scheinbare Willkür wirkt die Platte zunächst zerfahren - aber die Willkür ist eben nur scheinbar. Denn natürlich ist hier alles genauestens überlegt und durchkomponiert - ohne konstruiert zu wirken. Beschäftigt man sich weiter mit diesem Album, erkennt man vertraute, wiederkehrende Passagen, mehr oder weniger stark variiert, nur durch den Augenblick bestimmt und im nächsten Moment von einem anderen klanglichen Impuls abgelöst. Da gewinnt 'D2R' impressionistische und irgendwie auch poetische Züge, ein kurzes Aufbäumen im Angesicht der noch folgenden musikalischen Welle. Die vielschichtige Rhythmik ist letztendlich der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Albums, der Bezugspunkt für den Hörer, der sich mit ihnen treiben lässt, stets ungewiss, wohin die Reise führt. Sie ist das Floß, auf dem man sich bewegt, die Keyboards malen dabei traumartige Landschaften in die Luft. Die dabei entstehende Abwechslung ist immens: Kein Song mit den selben Sounds und dem selbem Metrum. 'Mr Smith Shows The Children How To Smoke A Cigarette' beginnt mit einem cineastischen Intro, ein selbstironischer Anstieg der Dramatik, dann wird plötzlich ein Streichholz angezündet. Das Stück gipfelt mit Orgelklängen und vergleichsweise eingängigem Schlagzeugspiel.
Darling hat zu jedem Song im Booklet ein paar Zeilen hinterlassen - wirklich interessant, lustig und etwas, was ich gerne öfters sehen würde. So schreibt er über Dog Dreams: '...it's overall character reminded me of the way my dog would twitch and snort as she dreamt of crushing the life out of all the small, furry animals unfortunate enough to occupy her domain. It may be the world's first example of canine jazz'. Dazu ein äußerst elegant gestaltetes Cover, das den Gesamtcharakter der Scheibe wunderbar vollendet.
'D2R' ist ein radikaler, abenteuerlicher Ausbruch aus der Schönklang-Symmetrie, vielleicht sperrig, aber niemals hässlich. Hal Darling sieht sich selbst als Komponist mit Humor - und genau das wiederspiegelt dieses Album auf großartige Art und Weise.
haldarling.com
Timo
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