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Dalaba Frith Glick Rieman Kihlstedt "same" (Accretions Records 2003)
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Die improvisative Szene, könnte man meinen, sollte ihre beste Zeit hinter sich haben. In den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts lief sich Free Jazz tot, Musiker "entdeckten" die Melodie wieder und nach Jahren des Suchens nach einem neuen Klang, neuen, freien musikalischen Mustern gaben sie entnervt auf. Viele dynamische Klänge waren gefunden worden, doch mehr formlose Tonklumpen füllten die Sinne der Musiker und des Publikums. Ganz verschwunden ist der Ansatz freier, improvisativer Musik nie. Er wurde im Kleinen gepflegt; gerade Fred Frith, der sich selbst als Rockmusiker sieht, schuf eine Fülle tonaler und atonaler Tonwerke, die zeigen, wie diese neue Musik, empfindsam, sensibel gespielt, zu klaren und faszinierenden Formen fand. Formen? Gewiss, nicht radikal-aggressive Ideen bauen die improvisative Musik aus, sondern zunehmend sanfte, ambiente Klanggebilde. Da finden sich Melodien jenseits gängiger Wertvorstellungen. Stimmungen, die als Klangrausch in die Sinne fließen. Gewiss sind dies keine Streicheleinheiten für einkaufsgeplagte Nebenbeihörer. Sondern vitale, grandiose Spielwiesen für phantasielustige Neugierige. Leslie Dalaba (tr), Fred Frith (g, maniacal laughter), Eric Glick Rieman (p) und Carla Kihlstedt (vi) versuchen keine Radikalschlacht, keinen Sinnessturz, sondern eine äußerst dynamische, mitreißende Klanglandschaft, in der dem Hörer Raum für Bilder und Farben geschaffen werden. Eine lustvolle Angelegenheit, die hier und dort kräftig strömt und dort wie zähe Lavamasse hinzieht. Da tun sich zuweilen Erinnerungen an die Frippertronics auf, die Robert Fripp einst als nonchalante Tonspuren inszenierte. Ambiente, collageartige Erregtheiten strömen aufgeregt beruhigend in die Ohren, Disharmonien halten sich erstaunlich in Grenzen, vielmehr weitet sich der tonale Raum durch ungewohnt vielschichtige, simple und komplexe Harmonien. Die in improvisativer Musik längst gut Bekannten haben je mit vielen weiteren Großen gespielt, wie John Zorn, Ikue Mori, Tom Cora, Zeena Parkins und Bob Ostertag, um nur einige zu nennen. Die Harmonie ist so vollständig, dass jedes weggelassene Instrument eine tiefe Lücke reißen würde. Allein, wäre Fred Frith nicht dabei, der hier des öfteren zu harten, vitalen und rockbetonten Klängen ausholt, stände die Stille der Anderen wie nackt im Raum. Gerade Carla Kihlstedt, die mit ihrer Violine, mal elektrisch, mal akustisch oder als "Strohvioline" schräge und abstrakte Läufe zieht, gibt den 7 teils sehr langen Stücken aufwändige Konturen, von den humorvollen Trompetenstößen, -kratzern und -kreischern der Trompete von Lesli Dalaba kongenial unterstützt. Das "prepared and extended rhodes electric piano" von Eric Glick Rieman hingegen sorgt für Teppich und Tapete, für sanfte Ergänzung und radikale Veränderung in den Stücken. Ein gelungenes Werk, das ermuntert und froh macht, weil es die Offenheit, Möglichkeit von Musik wahrnehmbar macht und den weiten Raum bislang ungeahnter Musikalität aufzeigt. Vielleicht DAS Einstiegswerk für neugierig gewordene, weil kein Hörer vor den Kopf gestoßen wird. Mit Sicherheit eine echte Bereicherung für Insider, deren emotionalem Sinn für (a)tonale Kunst gehuldigt wird.
accretions.com
firstworldmusic.com
fredfrith.com
VM
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