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Counter-World Experience "Fraktal" (Eigenproduktion 2005)
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Wenn man 1985 von Jazz-Metal gesprochen hätte, würde man vermutlich ein irres Gemetzel im No Wave Kleid vermutet haben, mit Beton zerstückelnden Bohrmaschinen und fräsenden, kreischenden Free Saxophon Eskapaden im Punk Noise. Die Verbindung dieser beiden Stile, allein namentlich, wäre vermutlich vollkommen verpönt gewesen. Jazz war das Gute, Edle; Metal das Dumpfe, Widerliche. Und niemand (bis auf wenige Ausnahmen vielleicht) hätte sich eine wie auch immer geartete positive Verbindung denken können, geschweige denn dahinter technische Extravaganzen, komplexe und virtuose Musik vermutet (diese Begriffe waren in den 1980er Jahren ebenfalls völlig out).
Glücklicher Weise sind die Zeiten billiger Rhythmen und stupider Lärmorgien vorbei. Die Rockmusik besann sich mit Beginn der 1990er ihres technischen Handwerks und begann wieder, ausgefeilte Arbeiten anzustreben. Das hat sich seit 15 Jahren permanent entwickelt.
Heute schreibt man Jazzmetal und nicht Jazz-Metal, um der organischen Verquickung der beiden Stile zu entsprechen. Doch längst nicht überall, wo Jazzmetal draufsteht, ist solches enthalten. Viele Jazzrocker und Fusionexperten probieren sich an härterem Material, ohne jedoch wirklich in Metalgefilde vorzustoßen. Metaller holen sich Jazzschlenker ins Arbeitsmaterial, ohne die Qualitäten beider Stile gleichberechtigt zu entwickeln.
Jazzmetal ist immer noch eine Hürde, immer noch mehr Anspruch und Wunsch als Sein. Es gibt ihn, aber längst nicht in der notwendigen und von Pressetexten beworbenen Menge.
Das Berliner Trio Counter-World Experience, 2001 in Hannover gegründet, besteht aus den studierten Musikern Benjamin Schwenen (g, g-synth, prog), Thorsten Harnitz (dr) und H.D. Lorenz (b). Sie können jeweils hervorragende musikalische Reverenzen vorweisen und bezeichnen sich als Jazz-Metal Trio.
Technisch und handwerklich sind die drei Musiker bestens gerüstet, "Fraktal" ist wie ein Rausch aus Spannung und Virtuosität. Auch kompositorisch haben Counter-World Experience einiges zu bieten. Zwar verschiebt sich von Song zu Song die stilistische Orientierung, gibt es hier eher saftiges Powermetal mit zarten Jazzblüten, dort warme Electronics in lyrischen Jazzfarben, gar einmal groovigen Blues und letztlich wirklichen, harmonischen Jazzmetal.
Stets arbeitet das Trio sehr kontrolliert und emotional gefestigt. Gier gibt es keine, wie sonst oft üblich, ausgeflippten Wildheiten und dramatischen Frickelorgien. Gefrickel im Ansatz ist natürlich auszumachen, doch bremsen Counter-World Experience das aus, schalten einen Gang zurück und arbeiten verhalten weiter. Das klingt schon mal wie ausgeschimpft und bestraft, gezügelt und gemäßigt und nicht ganz, wie es soll. Insofern ist Jazzmetal nicht der Standard, sondern der in Höhepunkten erreichte Schwierigkeitsgrad.
Doch das Trio hat, wenn auch nicht durchweg Jazzmetal, dennoch feine Arbeit abgeliefert. Ihre kraftvollen, lebhaften Songs haben eine feine Balance aus harmonischem Aufbau, technischen Arrangements und abstrakten Soli. Die Band ist sehr genau, wenn nicht gar perfektionistisch vorgegangen und hat jede Sekunde des Albums sorgfältig ausgeleuchtet, ohne damit die emotionale Tiefe der Stücke zu killen.
"Fraktal" ist ein gutes, sehr ästhetisches Jazzmetal-Album für Einsteiger. Hier gibt es keine extrem langen Songs, keine ausgeflippte Avantgarde. Die gewisse Nähe zu harmonischem Liedgut macht die Songs für ein breites Publikum erfahr- und genießbar, ohne die Experten unter den Fans zu verschrecken. Mehr davon, und beim nächsten Mal mehr Jazzmetal!
counterworldexperience.de
justforkicks.de
VM
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