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COSA BRAVA
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LIVE
Paradise... Don't put me under your spell. Wenn Carla Kihlsted sowas singt, wäre es allein schon Grund genug gewesen, am 4. April 2008 in die Alte Feuerwache nach Mannheim zu kommen. Allein Fred Frith mit Cowboyhut zu sehen und ihn endlich wieder SINGEN zu hören, oder nur, um Zeena Parkins in ihrer goldenen Kofferhose als androgynen Hofknappen des 16. Jhdts. zu bewundern. Oder um die halbe Truppe wieder zu treffen, die kurz zuvor bei Thinking Plague gewesen war. Denn auf dem Programm stand COSA BRAVA, nach Jahren endlich wieder ein Frith-Projekt mit Songstruktur. Vierter Mann ist Kihlsteds Sleepytime-Gorilla-Museum-Partner Matthias Bossi mit seiner Schiebermütze an den Drums, und auch The Norman Conquest am Mischpult zählt zur Band. Zum Auftakt spielen sie ‚Snake eating its tail', eine Groteske mit viel Schmerz- und Schmatzgeräuschen, die die Augenbrauen oben halten, wohin sie schon von Zeenas Outfit gezogen wurden und davon, dass sie nicht Harfe spielt, sondern ganz effektvoll Akkordeon und Keyboards. Nicht irgendwelche Fusionsounds, sondern fragiles Geklimper und Gepinge, das manchmal fast wie eine Dulcimer klang. Das passte auch, denn gespielt wurde, um dem Kind einen Namen zu geben, Folk, freilich im Stil von Friths Imaginärer Folklore auf Gravity (das ja auch mit einem Kichern begann) oder Speechless. Das süß gegeigte ‚For Tom Ze' (einer der Kostproben auf MySpace) erinnert entsprechend an alten Zeiten und bekennt sich gleichzeitig zur ungebrochenen File-under-popular-Agenda der ‚Recommended'-Szene, ebenso wie ‚For Albert Marcœur'. Da singt Bossi, der durchwegs an diesem Abend im Stil von Hans Bruniusson oder Guigou Chenevier einfallsreich auf Woodblocks klopft oder die großen Toms paukt, eine kleine Nouvelle-Vague-Skizze von einer unbekannten Leserin im blauen Mantel in der Buslinie 48, die er gern wiedersehen würde. Frith selbst croont in seiner intensiven Manier Zeilen wie "Water is fading away, memory is fading away, writing is fading away away..." und mit ebenso prägnantem Skeleton-Crew-Anklang "One step forward, one step back" (‚Falling Up'). Dazwischen wechselt er bei den Instrumentals zwischen Gitarre und Bass und zieht dabei alle Register von melodischem Fingerpicking bis zu jaulendem Noise und Rückwärtseffekten oder tupft im Rapport mit Bossi die typischen springprozessualen, urbanisierten Folkbeats und Wackeldackelstomps wie ‚15', die vage global klingen, bei ‚New World' aber tatsächlich ein bisschen nach Cowboyhut. Nicht Nostalgie, Kontinuität ist Cosa Bravas eigentliche Sache. Jedes Stück ist fein ausgetüftelt, der Teufel steckt, oder besser, die Englein singen im Detail, den kleinen rhythmischen Kanonverschiebungen, absurden Repetitionen, intelligenten Roundabouts wie man sie von Frith seit ‚A career in real estate' oder ‚Laughing matter/esperanza' kennt. Der Clou ist jedoch Miss Kihlsted, die auch in diesem, ein wenig dem Tin Hat Trio verwandten Kontext ganz und gar Carla ist, ein zwischen gefühlvoll und unbändig vexierendes Temperament, die ein rhythmisches und melodisches Feuerwerk zündet und wenn sie dann auch noch singt, ach. Paradise... you've put me under your spell! Dieser furiose Art-Rock-Song ist für mich der pathetische Höhepunkt, inmitten einer ganzen Handvoll herz- und hirnerfrischender Tunes, die ein Spektrum von transparent bis mitreißend knurschig auffächern. Zwei Zugaben gab's, weil's so schön war und weil die Vier eindeutig selber Spaß hatten als ‚Volksmusikanten', die dem Volk nicht geben, was es will, sondern anbieten, was es braucht.
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