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COCOROSIE, Live am 14.8.2007 im Alten Schlachthof Dresden
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Zwischen elfengleich und herb
Um das Tun der Schwestern Bianca "Coco" und Sierra "Rosie" Casady halbwegs umfassend zu beschreiben brauch's im Englischen nur ein einziges Wort: weird. Man schlage das mal im Wörterbuch nach, dort werden einem zirka ein Dutzend deutsche Entsprechungen angeboten. Und um das Tun von "Coco" und "Rosie" zu beschreiben, kann auf keine einzige verzichtet werden, die Pallette reicht - mit diversen Zwischenstufen - von "bizarr" über "übernatürlich" bis "ulkig". All das sind CocoRosie, die bezaubernden Vertreterinnen des "New Weird America", auch und vor allem auf der Bühne. Apropos "bezaubernd", diese Zuschreibung wird von "weird" leider nicht abgedeckt, darf aber keinesfalls fehlen. Wobei dieses Adjektiv vor allem die sich elfengleich-verführerisch gebärdende Sierra beschreibt - während für Bianca vielleicht eher "herb" zutreffen mag. Genau in diesem Spannungsfeld, das sich geradezu greifbar im kleinen Saal des Alten Schlachthofs generierte, liegt wohl die magische Wirkung von CocoRosie begründet. Da kann man noch so sehr nach weiteren Wörtern suchen, das macht's alles nicht verständlicher.
Zu wilden Tänzen und Stagediving animiert das entrückte, aus gequetschten Kammertönen, Kindergeburtstag und Elektro-HipHop gemixte Liedgut der Casady-Sisters natürlich nicht gerade und manch ein Vertreter des 700 Menschen umfassenden sehr heterogenen Publikums wird sich nach den ersten drei Liedern einen bestuhlten Saal gewünscht haben. Genau deshalb darf das aktuelle Coco-Album unter Live-Bedingungen als Glückstreffer bezeichnet werden, beschert es doch im Gegensatz zu den beiden Vorgängern ein Mehr an hiphoppigem Rhythmus - "Rainbowarriors", "Promise" und "Raphael" animieren zu verzücktem Mitwippen und spätestens beim von Bianca fulminant herausgeknödelten "Japan" geht innerlich die Post ab. Da mögen selbsternannte Geschmackspolizisten noch so sehr mäkeln, CocoRosie wären zu "eingängig" geworden. Eingängig ist nun wahrlich etwas anderes.
Aber auch Frühwerke wie "Terrible Angels" funktionieren auf der Bühne prächtig und selbst das ohne Anthony von den Johnsons fast undenkbare "Beautiful Boyz" meistern die Mädels souverän. Erstklassige Unterstützung bekommen die Frontfrauen dabei von zwei Gastmusikern, meist an Bass und Piano, sowie von Tez, der unglaublichen französischen Human Beatbox, der bereits auf unnachahmliche Weise das Vorprogramm bestritt. Nicht ganz so erstklassig kamen die hochartifiziellen, aber etwas willkürlich zwischen Georgie Bush, den Kindern von Trang Bang, Islamisten und Swastikas changierenden Visuals daher. Die machten viel Licht im Hintergrund und degradierten die Schwestern mitunter zu Schattenrissen ihrer selbst. Was doch ein wenig schade war und den unbedingten Wunsch aufkommen ließ, gerade dieses Konzert unbedingt in der ersten Reihe erlebt zu haben.
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