Caravan Palace, Live am 02.11.2009 in der Tante Ju, Dresden

Techno-Swing à la Parisienne

Der Sage nach fing alles an mit einem Stummfilmporno des frühen 21. Jahrhunderts. Andere Quellen siedeln den obskuren Streifen in den 1920er Jahren an, wie auch immer, die Herren Charles Delaporte, Hugues Payen und Arnaud de Bosredon waren gebeten, für den französischen Sender Canal+ die Filmmusik zu selbigem zu liefern. Was dabei am Ende rauskam, war Caravan Palace, die Neo-Swing-Band die Django-Reinhardt-Sounds mit Elektro, House und Hiphop aufmotzt. Wie schon seinerzeit, so auch heute: der Soundtrack zur Großen Depression. Man muss ja was zu feiern haben, wenn es schon nix zu lachen gibt. Und feiern kann man ganz trefflich zu den mittlerweile fünf Herren und der einen Dame, die da auf der Bühne passend gewandet nicht nur erstklassiges musikalisches Können an den Tag legen, sondern auch eine Show abliefern, die den Saal zum Kochen bringt.

Vor allem Mademoiselle Colotis Zoé, mal hauchzart, mal aufgedreht, mit einer Stimme die von Billie Holiday bis zum Armstrong-Surrogate so ziemlich alles leisten kann, ist überaus bezaubernd - durchaus auch auf einer optisch-sinnlichen Ebene. Ihr Pseudonym ist übrigens einem tropischen Schmetterling entliehen, wie passend. Zusammen mit Payen an der Geige und dem Klarinettisten Chapi ist hier eine musikalisch-mimische Mènage à trois am Start, die das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. Nach letzterer, nachdem sich der Swing endgültig in völlig hochgetunten House-Eskapaden aufgelöst hatte, entschwebte das jüngere Publikum selig lächelnd dem Saal. Und das ältere, das klassische "Jazztage"-Publikum (denn in diesem Rahmen ist das Konzert angesiedelt), hat sicher was zum Grübeln.

Text: André
Fotos: Stefan



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