Capillary Action "So Embarrassing" (Discorporate Records 2009)

Tropisch - melodramatischer Popsong, Live-Elektronik - so bezeichnet sich das verrückte Team, das unter dem Namen Capillary Action musikalisiert. Vier Jungs als feste Band, dazu acht Gäste an Blechgebläse, Mallets und klassischer Saite machen Rockmusik. Rockmusik. Tja. Nun, so etwas. Es rockt gewaltig! Mal bricht eine Ecke metallisch aus, dann bröckelt es dramatisch schräg, Jazz geht den radikalen freien, dann den Jazzrock-Pfad, Brassgebläse sägt schwere Lücken in die Songs, nur von der elektrischen Gitarre übertroffen, die die Atombombenwirkung probt und so schwer in alles schneidet und glüht, dass jede Struktur erbebt und, nein, doch nicht, die Band macht weiter.
Es gibt sie längst, die radikalen Experimentalbands, die Avant Prog in den Genen haben, dazu den ganzen Popkosmos und vor keiner Grenze Halt machen, ohne sie mit Witz und Schalk über und über bunt zu beschmieren, bis deren eigentlicher Sinn nur ein blöder Joke und das Bunt das Eigentliche ist.
Rhythmus? Überall, im Dauerbruch. Stile? Jede Menge. Alles! Ska, Jazz, Metal, Zirkus, Prog, Pop, Neue Musik, mal dicht an Zappa oder Thinking Plague, dann an Patton oder John Zorn, an allem und keinem. Es gibt keine Parallele, weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine weitere Band eben diese Stilbrüche in dieser (oder nur so ähnlicher) Weise absolviert, ganz und gänzlich gegen Null tendiert. Jede Radikalfräsmaschine, die nicht in der Landwirtschaft, sondern der Rockmusik geboren wurde, hat so ihre eigenen Merkmale. Diese hier sind: 1. kommt Komplexität, nach dem liedhaften Song, 2. zuletzt wird gesungen, bevor die Instrumente instruiert wurden, genau das Gegenteil von dem wiederzugeben, was die Menschen an ihnen für Griffe und Schläge tun.
Tatsächlich hat Gitarrist und Sänger Jonathan Pfeffer die Songs so ganz geschrieben, samt den nicht abgedruckten, aber gewiss romantisch nüchternen, pferdeartig gähnenden Speed-Jazz-Lyrics. Der Mann ist ein Genie, was an seinem Nachnamen und den Genen liegt. Und daran, dass er nicht im Iran geboren wurde, oder auf dem Jupiter. Sondern in einer Gitarre.
Die CD ist 31 Minuten lang, keine zuwenig. Die 11 Songs, Songs?, Dramatikhumoresken!, müssen in ein jedes neugierige Ohr, um dort die Realität zu verdrehen, zersägen, auspusten.
Was noch?! Nix mehr. Bitte sofort hören! Nie mehr aufhören. Oder abhören.
Tropisch - melodramatischer Popsong, Live-Elektronik.
Gewiss.
Post Core Ambient Freak Jazz Roll.
Nicht erschrecken! (Hat in aller Stille auch ein paar laute Momente)

myspace.com/capillaryaction
discorporate-records.com
VM



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