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CAMOUFLAGE, Live am 30.09.2006 in der Reithalle / Strasse E Dresden
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Glückliche Gesichter
Wer zu spät kommt, den bestraft die Band. In diesem Fall Camouflage. Überpünktlich, noch vor 21 Uhr, legte das um Live-Gitarristen und -Schlagzeuger erweiterte Trio los. Da standen die Meisten auch schon erwartungsfroh vor der Bühne, einige (eigentlich erfahrene) Konzert-Besucher allerdings, die gewohnheitsgemäß erst später eintrudeln, hatten den Auftrittsbeginn verpasst. Band und mehrheitlich auch die Fans sind eben keine 20 mehr, da will man möglicherweise nicht erst nach Mitternacht ins Bett.
Synthie-Pop live gespielt kann unter Umständen langweilen, nicht so bei Camouflage. Wie bei einer Rockband ging es auf der Bühne gut zur Sache. Besonders Frontmann Marcus Meyn gab alles, so dass am Ende sein schwarzes Hemd eine zweite feuchte Haut bildete und er in seinen Schuhen ein unfreiwilliges Schweiß-Fußbad nahm. Manchmal erahnte man für einen kurzen Moment Dave Gahan im Scheinwerferlicht, was nicht nur in der Musik einiger Titel begründet lag, sondern auch im Hüftschwung. Aber Camouflage sind nicht die deutschen Depeche Mode, auch wenn das hier und da immer noch gern behauptet wird. Sie haben ihre eigene Handschrift gefunden, zu der nicht zuletzt die wunderbaren Vocals von Meyn gehören. Der Mann hat eine charismatische Stimme, was für seine beiden Kollegen nur bedingt gilt, wobei sie aber auch nur im stimmlichen Hintergrund agieren. Fast zum Schluss allerdings waren sie dann doch einmal sehr präsent bei dem Fast-A-Capella-Stück "Kraft". Das hat zwar erst im zweiten Anlauf funktioniert, was die Band nur einmal mehr von ihrer sehr natürlichen, menschlichen Seite zeigte.
Das Programm bot eine Zeitreise von der aktuellen Scheibe "Relocated" zurück zu den Anfängen mit "The Great Commandment" und "Love Is A Shield". Die Knallerhits bereiten nicht nur dem Publikum nach wie vor den meisten Spaß, sondern auch den Jungs auf der Bühne. Selbige wurde von sehr schicken Leuchtelementen illuminiert: Ein Meer von Dioden zauberte bunte Effekte, Fantasiegebilde, Buchstaben und sogar Fotos um die Akteure herum. Scheinwerfer wurden nur sehr minimalistisch bzw. indirekt eingesetzt, wodurch ein dem jeweiligen Stück angepasstes und perfektes visuelles Stimmungsbild entstand.
Die Fans feierten die alten wie die neuen Songs euphorisch. Das wird demnächst auch auf DVD nachzusehen sein, da der Dresdner Gig aufwändigst gefilmt wurde. Schon nach gut einer Stunde sagten Camouflage "Tschüß". Das kann doch noch nicht alles gewesen sein? In der Tat waren die Fünf nach wenigen Augenblicken zurück und produzierten sich noch einmal sage und schreibe fast eine Stunde lang. Insgesamt 120 Minuten Synthie-Rock'nRoll ließen am Ende keine Fragen offen. Man ist zwar keine 20 mehr, aber zu feiern versteht man nach wie vor gut. Die glücklichen Gesichter während des Konzertes und danach sprachen Bände.
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Text: Stefan
Bilder: Cordelia
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