CAMOUFLAGE "Relocated" (Synthetic Symphony / SPV) VÖ: 25.08.2006

"Sich tarnen, jemanden in die Irre führen" - so die gängige Bedeutung des Begriffs "camouflage". Die gleichnamige Band muss sich nicht (mehr) tarnen und auch niemanden in die Irre führen. Seit nunmehr über 20 Jahren in Sachen Synthiepop aktiv, ist das Trio wohlbekannt. Spätestens nach den ersten Takten von "The Great Commandment" oder "Love Is A Shield" rutscht bei jedem wie von selbst ein "Ahhhh" aus dem Mund. Doch Camouflage waren und sind mehr als diese beiden Hits.
Das stellen sie anno 2006 erneut unter Beweis mit ihrem aktuellen Output "Relocated". Synthiepop funktioniert heute noch genau so (gut) wie vor zwei Dekaden. Den lebenden Beweis dafür treten die Über-Väter des Genres, Depeche Mode, höchstpersönlich an mit ihren Plattenproduktionen und den ausgezeichneten Live-Auftritten. Nach wie vor ist bei Camouflage der Einfluss der Briten präsent (Beispiel: "We are Lovers"), sei es in der Melodieführung oder auch in der Art der gesanglichen Interpretation. Doch der Vergleich ist oft genug strapaziert, als dass er an dieser Stelle erneut ausgewalzt werden müsste. Tatsächlich ist da nämlich mehr als DeMo auf "Relocated": Eigenständige und eingängige Kompositionen, die die Vielschichtigkeit des Electro-Pop-Kosmos widerspiegeln. Sehr atmosphärisch ist das Album geworden, fast ein wenig zu introvertiert. Da darf man sehr gespannt sein auf die Live-Umsetzung angesichts des Bandversprechens, dass die Fans mit elektronischem Rock'n'Roll zu rechnen haben. An der Aussage wird etwas dran sein, denn die drei Männer haben es wirklich nicht nötig, jemanden in die Irre zu führen.
"Relocated" schafft den Spagat zwischen Achtziger und Jetztzeit. Camouflage sind wieder da, ohne je richtig weg gewesen zu sein. Ob sich allerdings "The Great Commandment II" auf der neuen Scheibe versteckt, wagt der Rezensent nicht zu prognostizieren. Auch wenn es dem Trio zu wünschen wäre.

Stefan



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