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Glenn Branca "Lesson No.1" (Acute Records 2004)
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In den 1970er Jahren tobte, ganz anders als heute im Zeitalter der Gleichmacherei, der Krieg der Eigenwilligkeit. Stile, die heute fest gefügte Schubladen sind, wurden gerade in zarten Umrissen entworfen (z.B. No Wave). Einer der vielen unzufriedenen und besessenen Musiker war Glenn Branca. Der Gitarrist und Komponist fand früh eine eigene Musiksprache, die tief im Minimalismus fußt und diese Art des betörenden Musizierens zu einer brachialen Tiefe entwickelte, dass den Hörern die Sinne übergingen. Zum Ende der 1970er Jahre überflogen unzählige Spielarten postmoderner Rockmusik die Konzert-Paläste wie das (alles ungewöhnliche fördernde) The Knitting Factory. Eine Menge Musiker probte sich im Aufstand gegen etablierte Vorbilder und vor allem verschärft auch gegen Progressive Rock (was die Industrie mit Vorliebe zu unterstützen und steuern wusste). Irgendwo Punk im Hinterkopf, Jazz im Herzen und New Wave vor Augen, Glenn Branca gab ungemein Gas und spielte eine verwirrende Musik, die ihm tausende Fans und Kritiker einbrachte. Zu der Zeit war selbst der Crimson King Robert Fripp auf eben diesem Trip, Progressive Rock war totgesagt und eine neue Avantgarde lärmte durch das Gedärm des Undergrounds.
Der intellektuelle Nachwuchs lechzte nach neuen Klängen, ungewöhnliche, aggressive Sounds kamen sehr gut an - auch wenn zur selben Zeit Disko und weiteres untote Zeug erschreckende Hochkonjunktur feierten. "Lesson No. 1" sammelt 3 dieser langen, scheinbar eindimensionalen und bedröhnenden Songs, die Orchestern gleich einen voluminösen Klang erzeugen, der seinesgleichen sucht und doch nur die Vielschichtigkeit des Banalen präsentiert. Im Prinzip geschieht wirklich nicht viel. Die Instrumente spielen über lange Passagen gleiche Harmonien, die nur leicht variiert und in lang verschleppten Tonschleifen zu harschen Orgien werden, in denen Brancas Gitarre (oder auch schon mal 5 Gitarren auf einmal) mit Bass und Schlagzeug einen wuchtig-dramatischen Lärm entfachen. Damit machte Branca sich zum Vorreiter des schlicht strukturierten Rock-Mainstreams. Die 3 Songs sind 36 Minuten lang. Zusätzlich ist die "Symphony No. 5" auf dem Silberling, ein 17-minütiger Quicktime Video Track, der die einfältige und höchst komplexe Musiksprache Brancas per Video anschaulich illustriert. Der Sledgehammer spielt nicht nur hier eine wichtige Rolle, und die Ohren dröhnen!
acuterecords.com
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