Bone "Uses Wrist Grab" (Cuneiform Records 2003)

Bone ist ein neues Projekt dreier Musiker, die bei Cuneiform schon einige Releases hatten: Nick Didkowsky (g, u.a. Dr. Nerve), Hugh Hopper (b, u.a. Soft Machine) und John Roulat (dr, Forever Einstein). 14 Songs hat das Trio eingespielt, ohne sich dabei persönlich getroffen zu haben. Bone teilten keinen Proberaum und kein Studio, sie tranken kein Bier miteinander. Um es genau zu sagen, Nick Didkowsky und Hugh Hopper sind sich noch überhaupt nicht begegnet. Doch die heutige Technik macht es möglich. Das Harvestworks Commissioned Works Program, eine ausgefeilte Musiksoftware, war Grundlage dieser Zusammenarbeit. Die Jungs nahmen ihre Ideen auf und versendeten Tapes. Hugh Hopper spielte seinen Part in Canterbury, England. Nick Didkowsky arbeitete zu Hause in New York und John Roulat in Connecticut. Die erste Idee zu Bone kam bereits 1995 auf, als Cuneiform den 2CD-Sampler "Unsettled Scores" veröffentlichte. Darauf waren Kollaborationen veschiedener Cuneiform-Musiker vertreten. Hugh Hopper hatte sich einer Dr. Nerve Komposition angenommen und später mit Nick via Internet darüber "gesprochen", an einer Zusammenarbeit interessiert zu sein. "Uses Wrist Grab" ist das Ergebnis dieser langwierigen, aufwändigen und sicher anstrengenden Zusammenarbeit. 14 instrumentale Songs, die die Kraft und Dynamik von Heavy Metal, den amelodischen Charme von Jazz und avantgardistische Tendenzen eigener Artikulation in einem vielfach überwucherten Assoziationslabyrinth gesammelt zeigen. Kurz gesagt, "Uses Wrist Grab" ist schräger Stoff. Die Überraschungspalette ist reich angelegt. Heftige Rocker scheren sich einen Dreck um herkömmliche Strukturen und reißen in aggressiven Nonsense aus, trotzdem immer noch eine Spur Liedhaftigkeit wahrend. Ambiente Klangcollagen weben bombastische Motive und reizen den Prog-Faktor heftig aus. Daneben tummeln sich ungewöhnliche Variationsmuster rhythmischer Motive und seltsam-ironische Kompositionsfragmente, die sich aus chaotischen Arrangements und lyrisch-balladesken Klängen fantasievoll mit rhythmischem Drive fügen. Höhepunkt der Außergewöhnlichkeit ist "Jungle Rev", eine Hopper-Komposition, die lautmalerisch wie das Innere einer Maschine klingt. Die Collage scheint unspielbar, aber technisch souverän. Das Einfühlungsvermögen der Musiker, das bei dieser Arbeit von besonderer Bedeutung ist, wird hier deutlich. Am eindrucksvollsten sind die heftigen Rocker, die von abstrakten und äußerst ungewöhnlichen Gitarrensoli und rhythmischer Extravaganz leben, in denen der Bass ruhige Melodieführung zeigt und manchmal etwas untergeht. Höhepunkte gibt es auf diesem grandiosen Album viele, genannt sei das 11. Stück "Overlife, Part 3" von Didkowsky, das einen starren, metallischen Rhythmus transportiert, der nicht von dieser Welt scheint. Die rhythmischen Einbrüche markieren die Dynamik hervorragend. Insgesamt ist "Uses Wrist Grab" die Hoffnung für all diejenigen, die dachten, dass Nick Didkowsky und sein ureigenes Vermögen als Gitarrist, Komponist und Software-Entwickler mit "Ereira" aus dem Avant Rock verschwunden wären. Gewiss klingt Bone anders, die Atmosphäre ist viel intimer, die Erfahrung der Musiker gewachsen, die instrumentale Begrenztheit öffnet andere Wege. Doch Nick, Hugh und John haben das Interesse an dieser äußerst spannenden, virtuosen und differenzierten Musik nicht verloren. "Uses Wrist Grab" ist ein außergewöhnliches Album, das vor einigen Jahren, ohne diese technischen Möglichkeiten, nicht möglich gewesen wäre.

cuneiformrecords.com
doctornerve.org
forevereinstein.com/john.html
VM



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