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Behold…The Arctopus "Nano-Nucleonic Cyborg Summoning" (Vothoc 2005)
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Die neue CD des amerikanischen Avant Metal Trios Behold…The Arctopus ist, wie die früheren Veröffentlichungen der Band, eine Offenbarung. Stilistisch ist das kaum festzumachen. Da steckt viel King Crimson drin, Prog Metal (ohne Anlehnung an Prog Metal Bands und Stile), Jazzstrukturen, Avantgarde, kompositorische Einflüsse aus der Neuen Musik. Vielleicht auch nur der Klang, den Zaphod Beeblebrox mit der "Heart Of Gold" verursacht, wenn er ohne Sinn und Verstand durch die Zeit reist.
3 Songs gibt es auf der zeitlich gemessen kurzen CD. 17:38 ist nicht lang, aber womit Behold…The Arctopus das füllen, hat Gehalt und Volumen. Die konzentrierte Essenz komplexer Musik auf immer noch harmonischem, nachvollziehbarem Niveau ist hoch anspruchsvoll und reizt die Sinne voll aus. Das beginnt im ultraheftigen "Exospacial Psionic Aura" (7.40), in das konventionellere Bands abgrundtiefe Growls einbringen würden. Behold…The Arctopus spielen das Stück, wie die beiden sich anschließenden auch, vollkommen instrumental. Und wahrhaft, wer über diesen Song seine Doktorarbeit schreiben sollte, braucht die Noten im Großdruck! Das heftige, überaus komplizierte Gebräu ist das Gemetzel der King Crimson Revolutionäre gegen die Prog Metal Armee. Da ziehen die Crimsons die Jazz-Schwerter, während die Metaller die Heavy-Flitzbogen spannen. Die einen zerstören den Rhythmus, den die anderen in mörderischer Geschwindigkeit neu auferstehen lassen. Was für eine Schlacht! Das gibt Tote…
Rein physisch dürfte das Trio Mike Lerner (g), Colin Marston (Warr g) und Charlie Zeleny (dr) die Schmerzgrenze weit überschritten haben. Das gab sicher blutige Finger, Muskelkater in Armen und Beinen - und die Köpfe qualmten, weil sie sich merken mussten, was hinter dem 314. Break im ersten Part kommt.
"Estrogen/Pathogen Exchange Program" (5.22) beginnt leise und dunkel, abgrundtief dunkel, noch dunkler, gaaanz dunkel. Der Keller der Gefühle wird von schweren Tönen bemalt und es braucht seine Weile, bis aus diesem Tal der Finsternis eine songdienliche Struktur erwächst, die von beiden tiefer gestimmten Gitarren harsch und rapide verschleppt wird. Doch dann taucht die Band aus dem Keller wieder auf und langt, nach diesem düsteren Auftakt, geradezu in freudige Gefilde und entwirft die entspannte, aber zuhöchst komplexe Architektur eines Irrenhauses. Gegenläufige Harmonien zeichnen die dramatische Struktur, während das Schlagzeug so tut, als gehe es das nichts an und es habe nur zu bolzen, bolzen, bolzen. Ein gutes Stück Arbeit, das in einem erstaunlichen (kurzen) Schlagzeugsolo endet.
"Sensory Amusia" ist mit 4.34 der kürzeste Part der CD (hab' ich so ausgerechnet). Und es geht wieder flott und ultraschnell virtuos zur Sache. Die Armeen schlagen sich wieder, aber wenn man genau hinhört, ist das eher eine ganz friedliche Angelegenheit, aus der dieses komplexe, crimsoneske Gebräu erwächst. Auch dieses dritte Stück ist von brutal heftiger Natur, wenn auch etwas gemäßigter als die beiden Vorgänger (wirklich?!?). Zum Ende hin packt das Trio nochmals alle Kabel und Boxen aus und schmettert tonnenweise Tonmaterial durch den großen Trichter mit dem schmalen Ende in die Vakuummaschine, woraus das komprimierte Material mit Wucht und Urgewalt spritzt.
Wer davon nicht begeistert ist, ist im falschen Film. Anders gesagt: wer auf diese Art Avant Metal steht, kann an dieser Combo nicht vorbei, Behold…The Arctopus gehören zu den technisch besten und verrücktesten. Vorsicht vor dieser Empfehlung.
troublemanunlimited.com
VM
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