Was eine Band für musikalisch forsch und rasant hält, muss beim Hörer nicht unbedingt dieselben Empfindungen auslösen. Banda Elástica eröffnen ihre CD "ai tencargo" mit dem 9-minütigen "Modelo para armar", das sie als stürmischen Einstieg in das Album halten. Wer nicht ansatzweise Verständnis für äußerst komplexes, avantgardistisches Liedgut hat, wird die Welt nicht mehr verstehen. Denn der Opener ist so vertrackt und melodisch so "verbogen", von einer dem Hörsinn so fremden tonalen Gestalt, das man nicht stürmisch, sondern verrückt oder free (oder so) denken würde.
Die 9 Songs des Albums sind improvisative Experimente, die auf die Kraft des Ausdrucks der einzelnen Instrumente setzen. Die Struktur ist mehr Jazz als Rock, baut jedoch auf rocktypischen Rhythmus, der immerhin so "einfach" gespielt wurde, dass die Stücke, die in der Folge nicht immer so sehr schräg wie das erste Stück sind, nachvollziehbar, anhörbar erscheinen. Im Laufe des Albums tun sich allerhand Melodien auf, die sperrig zwar, aber immerhin ins Ohr gehen, ohne zu verschrecken. Die Band geht nach dem sperrigen Beginn eher entspannt weiter, könnte als lässige Jazzvariante von Dr. Nerve durchgehen. Doch Dr. Nerve haben nicht diese leisen Rückzugsmomente, in denen nicht weniger komplexe Melodien in nachdenklicher Stimmung ihres Weges ziehen.
Juan Alzate (sax), David Barret (sax), Luis Miguel Costero (dr, perc), Guillermo González (g), Sósimo Hernández (b), José Navarro (mar, perc) und Guillermo Portillo (fl, sax) entwerfen mit dem vertrackten Jazzrock aufwändige Songs, die ein seltsam enthobenes und doch klares Bild wiedergeben. Banda Elástica machen nicht den Ansatz eines Kompromisses, sondern spielen, als wären sie nicht von dieser Welt, die abstrakten Kompositionen in mal kargem, mal üppigem Arrangement so entspannt und kühl, das unwillkürlich die Frage aufkommt, woraus sich das Selbstverständnis speist, das die Band die Songs in der Art spielen lässt!?! Die Nüchternheit der Einspielung, die nichtsdestotrotz musikalisch hohe emotionale Wellen treibt, macht die Band, die dahinter steht, interessant. Es muss hohes musikalisches Verständnis sein und das Vertrauen auf den Klang der einzelnen Instrumente. Das wird darin deutlich, dass die Instrumente teilweise "nebeneinander" her klingen, statt miteinander, die Melodien verzahnen sich nicht zu höherer Harmonie, sondern stehen gegeneinander und bilden einen kräftigen Kontrast, aus dem die Töne und Melodien der einzelnen Instrumente klarer zutage treten, als dies in einem homogenen Arrangement funktionieren würde. Komplizierter Ansatz, komplexe Umsetzung, äußerst interessantes Ergebnis.
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VM
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