ARCADE FIRE Live am 08.11.07 in der Columbiahalle Berlin

Die heilige Messe der Indierock-Götter

"Neon Bilble" heißt das aktuelle, allseits umjubelte Album von Arcade Fire. An diesem Donnerstagabend sind zehn kanadische Priester in die deutsche Hauptstadt gekommen, um endlich ihre bereits für das Frühjahr angekündigte und aus Krankheitsgründen abgesagte Indierock-Messe zu feiern. Die Jünger stehen dicht gedrängt in froher Erwartung ihrer Götter.

Mehrere hohe Stäbe am Bühnenrand lassen Spekulationen über mögliche pyrotechnische Elemente aufkommen. Doch Pustekuchen, Derartiges haben Arcade Fire nicht nötig. Und trotzdem gelingt es ihnen, ein atemberaubendes Feuerwerk abzubrennen. Die zehn Frauen und Männer auf der mit einer Unmenge an Instrumenten voll gestopften Bühne setzen wahre Energieorkane frei und machen in Nullkommanichts aus der Columbiahalle eine Sauna. Da wird auf diverse Becken und einen Motorradhelm (!) eingedroschen, was das Zeug hält. Mit Hilfe von Megaphonen erhalten die Stimmen einen bizarren Klang. Das Bläserduo macht mächtig Druck, Streicherinnen sorgen für das zarte Kontrastprogramm. Und wie es sich für eine ordentliche Messe gehört, steht da auch eine riesige Orgel, die unter euphorischem Jubel von Régine Chassagne zu "Intervention" bedient wird. Sänger und Gitarrist Win Butler schließlich ist der charismatische Hohepriester, der am Ende sogar zu seinen "Schäfchen" hinabsteigt. Diese können auch ohne Gesangsbuch problemlos in den Chor einstimmen.

Nach jedem Song werden wie wild die Instrumente getauscht. Dazu wechseln auf den fünf kleinen Rundleinwänden Live-Aufnahmen von der Bühne mit "biblischen" Visuals. Zum Gesamtkunstwerk gehören auch die Stäbe am Bühnenrand, die erleuchten und zur "Neon Bilble" werden. Als zum Konzertschluss Will Butler den linken Boxenturm erklimmt und dort oben auf seine Trommel eindrischt, haben sich nicht nur er und seine Kollegen in Ekstase gespielt - der gesamten Gemeinde geht es nicht anders. Halleluja!

arcadefire.com

Stefan



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