Andromeda "The Immunity Zone" (Silverwolf Productions, VÖ: 27.02.2009)

Zu ihrem zehnten Geburtstag legen die Schweden Andromeda das, wie nicht nur das Cover meint, ökologische orientierte, kritische "The Immunity Zone" (mit blödem Coverbild) vor. Das vierte Album der Progmetaller erinnert mich zuerst unvermittelt an den Pressezirkus, der in den 1980ern die Entwicklung Dire Straits verfolgt hat. Zunehmend war dort von Perfektionismus die Rede, die einen freute die detailgenaue, jede Zehntelsekunde betonende, jeden Ton auslotende Produktion. Die anderen waren die Soundmaschine ob ihrer Wesenlosigkeit leid.
Andromeda sind nicht wesenlos, obschon "The Immunity Zone" ein ungemein durchproduziertes, perfektionistisches Album ist. Hört nur einmal bewusst auf den Schlagzeugsound, auf die Auslotung des Klanges der Becken, der einzelnen Trommeln. Nicht nur der Bassist und die Bass Pedals, die Keyboards, Gitarren, die Samples, Kanten und Ecken rund und saftig machenden Sounds und Klangfiguren sind stets perfekt ausgelotet - hier wurde nichts dem Zufall überlassen.
Zudem gibt es Kompositionen auf der CD, wie "Slaves of the plethora season", "The Worst Enemy" oder "Shadow of a lucent moon", die Refrains und Keyboardsounds nutzen, die nicht nur sehr eingängig und gar gefällig sind, sondern auch, gerade was die Keyboardsounds betrifft, im Dancefloor vorkommen und eine fatale Parallele erkennen lassen.
Ansonsten wird Rock'n'Roll groß geschrieben. Viele Progmetal Combos stehen sich selbst im Weg, bombastisieren ihre Umwelt mit Bedeutungsschwangerschaft oder starrem Krampf, davon nichts hier zu hören ist.
"The Immunity Zone" - mir fehlen leider komplett die Lyrics, und was der Herr namens David Fremberg am perfekt ausgesteuerten Mikrophon auf interessanten Gesangslinien singt, geht für mich zum großen Teil unter, weil die Verlockung des instrumentalen Klanges einfach zu groß ist. Die Jungs spielen schön schnell, kommen ohne lange Vorrede auf den instrumentalen Punkt und sind, sobald das soeben rasant entworfene Thema seine Berechtigung hatte, schon durch die Schnittstelle auf dem nächsten Level. Abwechslungsreichtum wird groß geschrieben - und was Gesang ist, kommt solistisch gut und hat eine ergänzende Chorvariante, die dem Ohr schmeichelt. Das Licht hat Schatten. Und selbst im Schatten noch leuchten bewegte Lichtpunkte. Andromeda fahren nicht auf die unmittelbarste Härte ab und die technischste Komplexität rudern sie nicht an. Ihre Songs haben davon genug, schütteln das aber locker nebenbei aus dem Ärmel. Ihnen liegt das platte Land, die epische Weite. In die ständige Einbrüche für Action, Spaß und reichlich Überraschung sorgen. Tolle Platte? Aber sicher, ja!
Anspieltipp: die siebzehneinhalb Minuten des das Album abschließenden "Veil of Illumination" - instrumental wie ein fremder Planet, extrem komplex, gefährliche Fallen und skalpellscharfe Schnittkanten zuhauf - und locker gespielt, klingt, als hätten sie - nach aller Übung - enorm Spaß gehabt, diesen Überschieß-Zirkus zu zelebrieren.
Will ich live sehen. Dann wieder.

andromedaonline.com

VM




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