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Alamaailman Vasarat "Huuro Kolkko" (Laskeuma Records/nordic notes, VÖ: 22.05.2009)
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Die Derwische tanzen wieder. Die finnischen Waldschrate mit Sinn für Weltmusik aller wilden Couleur rasseln neun neue, erotisch krasse Songs ab. Heißblüter reißen sich dazu die Kleider vom Leibe und gehen unter in diesem unsagbar besoffenen Sound, der sich, um ein paar Eckdaten ins Feld zu führen, aus Jucks und Dollerei aus allerlei gutmütigen Schubladen geliehen hat. Zuerst einmal: Albert Ayler klang anders, aber das Fieber war das gleiche. Im Zirkus sind sie nüchterner, aber auf dem gleichen Humor-Level, etwa, vielleicht. Big Bands sind brassiger, aber auch so Heavy Metal? Alles ist düstere Folklore, im Rock'n'Roll - Schalk: Alamaailman Vasarat, deren Videos auf YouTube hiermit empfohlen seien, spielen Polka wie kein Musiker zuvor. Allesamt wohl gewachsene und perfekt gediehene Rockwitzbolde vor dem Herrn, die Jazz und Avantgarde wie Progressive (jups!) unter der Haut haben, gehen tief in ihren Sound. Alles, was schnödes Mittelmaß oder popeliger Zeitgeist, was pure Folklore oder lieblicher Schönklang sein könnte, ist gebannt, untot eingemauert, erschlagen und beseitigt (wenn hier und dort auf dem neuen Album auch mal etwas lindere Töne ans Licht dürfen, und sei es, weil's witzig ist).
Knappe 40 Minuten dröhnen Marko Manninens und Tuukka Helminens Celli, jubelt und trauert Stakulas und Erno Haukkalas Gebläse, wummert Miikka Huttunens Harmonium, untersetzt vom fein abgestimmten, niemals zu leicht oder billig krachenden Metal-Drumming Teemu Hänninens. Was mehrfach so balladesk klingt, sind - Balladen. Der Blick durch die Lupe aufs tote Getier, nostalgische Melancholie befällt den forschenden Komponisten, der an die Bienenstiche seiner Kindheit denkt, unter den sommerlich schweren Bäumen und das lachende Mädchen neben ihm ist nicht seine Mama, sondern eine holde Maid, die ihn ausgelassen neckt und verliebten Schabernack treibt, ihr Busen bebt, die prallen Früchte duften und verwirren die Sinne. Der Stachel des Insekts ist gereizt ob dieser Liebhold, sie fallen in die Wiese, ins Getier.
Dieses Mal haben die Jungs viel an ihre Kindheitssommer gedacht. Der tiefsten Erinnerung ist das die CD abschließende "Lautturin viivat" zu danken, noch träumt die Band vor sich hin, da ist die CD schon aus und der Rausch zieht über die Spielzeit hinaus.
Gewidmet ist das Album Huuro Kolkko, dem in wissenschaftlichen Kreisen nicht anerkannten, finnischen Privat-Wissenschaftler, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Sammlung Insekten anlegte, das niedliche Getier zu studieren. Ein umtriebiger Fan kam auf die Band zu, brachte eine Box mit Fotos, Notizen und Rudimenten aus Kolkkos Nachlass mit - die Leidenschaft bekam ihre Wurzel, war entfacht, Jubel brandete auf.
Nächtliche Hexentanzplätze wurden mit Höllenlärm bedröhnt, Inspiration wuchs aus dem Boden, die erleuchteten Komponisten verschwanden ins Studio - hier ist die Platte.
Album Nummer vier (oder war es Nummer drei?) war mit Sänger eingespielt worden. Jener Herr ist wieder seiner Wege gegangen. Die Instrumente rücken in der Mitte der Bühne zusammen, die Insekten spreizen Beine und Fühler. Die Derwische
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